Berlin : Angefeindet - Rahbari stolperte 1999 über antisemitische Sprüche

"Du kommst als Freund und gehst als Feind", das war das Motto der "Mitternachtsshow", die Christian Rahbari von August 1998 bis Oktober 1999 live auf "tv.Berlin" moderierte. Die Sendung war nach dem Vorbild des amerikanischen "Hate-TV" ("Hass-Fernsehen") konzipiert, bei dem die Zuschauer gezielt vom Moderator provoziert werden. Bei Rahbari konnten Zuschauer telefonisch zu Themen wie "Frauen sind minderbemittelt" und "Allein ist geiler, als zu zweit" mitdiskutieren und wurden dafür vom Moderator beschimpft und mit zotigen Sprüchen bedacht. Die pöbelten darauf hin zurück, ließen Dampf ab. Doch eine echte Chance hatten sie nie, denn wenn sie dem Moderator gewachsen waren, kickte der sie per Knopfdruck schnell wieder raus.

Operationen im Grenzbereich des guten Geschmacks verschaffen einem nicht nur Freunde. Nachdem handfeste Drohungen gegen ihn eingelaufen waren, legte sich Rahbari Leibwächter zu. Trotzdem hatte er Fans. Besonders gut kam das Konzept bei 14- bis 20-Jährigen an. Die fanden ihn cool. Die Sendung sei auf dem Weg zum Kult, hieß es beim Sender.

Doch damit war es am 11. Oktober 1999 vorbei. Rahbari hatte in der Sendung in der Nacht zuvor eine Grenze überschritten, die bei aller Grenzenlosigkeit auch für ihn galt: Antisemitismus. Was sei in der Schachtel, fragte er seine Zuschauer, und deutete auf die vor ihm stehende Box. "Ein toter Jude", meinte ein Anrufer. Rahbaris Reaktion: "Das geht gar nicht, da passt keine Dusche rein." Ende des Gesprächs.

Doch für Rahbari begann nun erst alles. Zuschauer beschwerten sich beim Sender. Und auch der Chef von "tv.Berlin", Georg Gafron, sah in dem flapsigen Spruch eine klare Anspielung auf die Gaskammern in den Vernichtungsanlagen der Nazis - und kündigte sofort seinem Hass-Talker. Gleichzeitig wurde seine Show ersatzlos gestrichen.

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