Berlin : Angeklagter gibt Tötung zu, bestreitet aber vehement das Übergießen mit Benzin

Jeanette Goddar

Von der extremen Gefühlslage, die ihn zu der grausamen Tat veranlasst haben muss, war vor Gericht nicht viel übrig geblieben: Geradezu stoisch, teils mit geschlossenen Augen, teils konzentriert auf die Zeugen blickend, aber weder verächtlich noch ängstlich, verfolgte der 42-jährige Petros T. gestern den ersten Prozesstag vor dem Berliner Landgericht. Er soll am 17. Juni in aller Herrgottsfrühe einen grausamen Mord an seiner Ex-Schwiegermutter begangen haben.

Laut Anklageschrift soll er im Treppenhaus vor seiner Wohnung in der Kreuzberger Oranienstraße die 51-jährige Desponia N. auf dem Rückweg vom Bäcker abgefangen, hinterrücks mit einem langem Eisenrohr erschlagen sowie anschließend mit Benzin übergossen und angezündet haben. Entsetzte Nachbarn fanden gegen 8 Uhr den brennenden Leichnam im Treppenhaus. Der Verdacht fiel schnell auf Petros T., der zunächst verschwand, sich dann aber einen Tag später der Polizei stellte. Im Gerichtssaal erneuerte T. sein Teilgeständnis, das er bereits bei der Polizei zu Protokoll gegeben hatte: Ja, er sei "ausgeflippt" an dem Morgen und habe seine Ex-Schwiegermutter erschlagen, erklärte er. Als Grund gab er an, sie sei schuld gewesen, dass er seine sieben und acht Jahre alten Kinder kaum noch habe sehen dürfen. Ihretwegen hätte er die Kinder nicht mit in den Urlaub in sein Heimatland Griechenland nehmen dürfen. "Das sind nicht mehr deine Kinder", habe sie gesagt. Die Kinder lebten gemeinsam mit der 33-jährigen Ex-Frau und den Ex-Schwiegereltern im gleichen Haus.

Allerdings bestritt T. vehement, die Frau mit Benzin übergossen zu haben. Er besitze weder Benzin noch Streichhölzer, so T.. Auch der Sachverständige erklärte, anhand der überprüften Kleidung, die T. zur Tatzeit getragen habe, ließen sich Benzinspuren nicht eindeutig nachweisen.

Ähnlich emotionslos wie ihr Ex-Mann schilderte die 33-jährige Tochter der Verstorbenen ihre Version der Tat: Seit der Trennung vor zwei Jahren habe Petros T. sie geschlagen und bedroht. "Er hat ständig gesagt, dass er uns umbringen würde." Weil sie die Drohungen ernst genommen habe, sei sie bereits zum Tatzeitpunkt auf der Suche nach einer neuen Wohnung gewesen. Weder ihre Mutter noch ihr Vater hätten ihren Ex-Mann jemals schlecht behandelt.

T.s Verteidigerin Kathrin Sachsenberg hingegen bezeichnete die Auseinandersetzungen in der Familie als "alltägliche Katastrophen". Ihr Mandant habe die Schwiegermutter, die ihn fortwährend als Zigeuner beschimpft habe, als "so übermächtig erlebt, dass er sich nicht anders zur Wehr zu setzen wusste."

Ein als Zeuge geladener Cousin der Ex-Frau schilderte den Angeklagten zwei Wochen vor der Tat als hochgradig emotionalisiert. In einer Kneipe habe Petros T. ihm gegenüber zugegeben, seine Frau zu schlagen, weil diese ein Verhältnis mit einem anderen Mann habe. T. habe sie verfolgt, ihr vor dem Haus des Geliebten aufgelauert, und sie angespuckt, so der Zeuge. An dem Abend habe er außerdem gesagt: "Ich hätte sie gleich umbringen sollen." Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt.

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