Angriff auf Hilfsflotte : Proteste in Berlin gegen Attacke Israels

In Berlin hat es am Dienstag Protestkundgebungen gegen die israelische Militäraktion gegeben. Auf dem Alexanderplatz kam es zu einer spontanen Demonstration.

A. Kögel,M. Mamonova
Solidarität mit den Palästinensern. Nach dem israelischen Militäreinsatz gegen eine Hilfsflotte für den Gazastreifen protestierten am Dienstag rund eineinhalbtausend Menschen auf zwei Kundgebungen in Berlin. Dazu hatten unter anderem palästinensische Organisationen eingeladen. Viele Passanten schlossen sich spontan den Demonstrationen an.
Solidarität mit den Palästinensern. Nach dem israelischen Militäreinsatz gegen eine Hilfsflotte für den Gazastreifen protestierten...Foto: AFP/Sax

Mehr als eineinhalbtausend Menschen haben gestern in Berlin auf zwei Kundgebungen gegen den Angriff Israels auf einen internationalen Hilfskonvoi vor der Küste Gazas demonstriert. Nach Polizeiangaben verliefen beide Demonstrationen friedlich. Bereits am Nachmittag hatten sich etwa 750 Menschen vor dem Auswärtigen Amt in Mitte eingefunden. Sie schwenkten palästinensische und türkische Fahnen und forderten auf Transparenten unter anderem „Freiheit für Gaza“. Viele trugen auch Plakate mit der Aufschrift „Wir sind alle Palästinenser.“

Während die Kundgebung vor dem Auswärtigen Amt angemeldet war, kam es gegen 19 Uhr zu einer spontanen Demonstration. Rund 900 Teilnehmer trafen sich an der Weltzeituhr auf dem Alexanderplatz und zogen von da aus vor das Auswärtige Amt. Viele Passanten reihten sich spontan ein. „Ich hörte die Nachricht und war wütend und schockiert“, begründete die 28-jährige Studentin Aurora P. ihre Teilnahme: „Gut, dass ich jetzt hier dagegen protestieren kann.“

Entsetzt über den Angriff ist auch Daniel Barenboim. Der in Israel geborene Dirigent engagiert sich mit seinem „West-Eastern Divan Orchester“, in dem israelische, palästinensische und andere arabische Musiker für den Frieden auftreten. „Unser Orchester verurteilt den unmenschlichen Angriff des israelischen Militärs auf den internationalen Hilfskonvoi“, sagte Barenboim, der eine symbolische palästinensische Staatsangehörigkeit besitzt. Israel müsse die Blockade humanitärer Hilfe beenden, fordert der Chefdirigent der Staatskapelle Berlin sowie Künstlerischer Leiter und Generalmusikdirektor der Staatsoper.

Derweil ist noch bis morgen eine Delegation der israelischen Streitkräfte in Berlin. Die 180 Offiziere besuchen laut Bundeswehr jüdische Stätten und Gedenkorte des Holocausts. Am Donnerstag werde es auf dem Jüdischen Friedhof in Weißensee eine Gedenkveranstaltung im Beisein deutscher Offiziere geben. Das Programm finde wie geplant statt, und natürlich werde der Besuch der Israelis ohnehin gesichert, teilte das Standortkommando Berlin mit. Details wollten weder Bundeswehr noch Polizei bekannt geben. „Zeugen in Uniform“ ist ein Programm, bei dem die israelischen Streitkräfte seit 2001 jährlich Delegationen nach Polen und andere Länder Europas entsenden.

Unterdessen äußerte sich Christine Hoffmann, Generalsekretärin der Deutschen Sektion von Pax Christi betroffen über den Angriff auf die Gaza-Hilfsflotte. Viele Berliner waren dem Aufruf humanitärer Organisationen, für die Opfer des Gazakrieges von 2009 zu spenden, gefolgt. Gestern landeten Teilnehmer der Friedensflotte in Schönefeld. All’ die Fertigbauteile der Häuser, die Medikamente, die Rollstühle und die Lebensmittel sind von Israel beschlagnahmt. So kann auch der Zement sein Ziel nicht erreichen, seine Einfuhr sei auch verboten, sagt die Chefin von Pax Christi Deutschland mit Sitz in d in Mitte.

Die katholische Friedensbewegung in Berlin kooperierte auch mit der internationalen Bewegung „Free Gaza Movement“, die die Hilfslieferung organisierte. Hoffmann betonte gestern, auch der Papst habe Israel schon aufgefordert, die Blockade Gazas endlich aufzuheben. Die katholische Friedensbewegung Pax Christi selbst fordere aber nicht zu Demonstrationen oder Protestkundgebungen auf. Man wolle die Fronten nicht weiter verhärten, sondern den Friedensprozess und die Gespräche miteinander weiter voran bringen, sagte Hoffmann.

Die Geschehnisse nehmen auch den Berliner Yaser Alshrafi, Apotheker in Spandau, mit. Der 33-Jährige hatte den Krieg im Gazastreifen während eines Besuches miterlebt. Er litt nach seiner Rückkehr wie rund 40 000 in Berlin lebenden Palästinenser unter den Kriegsbildern aus der alten Heimat. Er habe gesehen, wie Hunde Leichenteile fraßen, wie die Haut von Kindern durch weißes Pulver von Phosphorgranaten anfing zu brennen. Alshrafi weiß von seinen Familienangehörigen, dass die Infrastruktur immer noch zerstört ist. „Die Menschen tragen durch den Krieg verletzte Verwandte auf dem Rücken, weil es keine Rollstühle gibt.“

Wie nach dem Gaza-Krieg sammelt der Chef der Zeppelin-Apotheke an der Zeppelinstraße 36–37 in Spandau (Tel. 372 86 32) unter anderem mit der palästinensischen Ärzte- und Apothekervereinigung in Deutschland weiter Medikamente. Er selbst hatte dreimal keinen Erfolg, die Hilfslieferung nach Gaza zu stemmen. Einmal waren die Güter bereits auf einem Schiff, das wieder umkehren musste. Beim vierten Versuch halfen gute Kontakte zum Roten Kreuz in Ägypten.

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