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Exklusiv: Augenzeugenbericht: "Mann, da sitzt einer und schießt auf uns!"

19.09.2012 15:34 Uhrvon
Wenn der Fußballplatz zum Tatort wird. Polizisten im Jahnsportpark nach dem Attentat auf Hobbyfußballer. Foto: dapdBild vergrößern
Wenn der Fußballplatz zum Tatort wird. Polizisten im Jahnsportpark nach dem Attentat auf Hobbyfußballer. - Foto: dapd

Drei Tage ist es her: Ein Sonntagnachmittag im Jahn-Sportpark, Hobbyfußballer treffen sich zum wöchentlichen Kick - plötzlich fallen Schüsse. Unser Autor war einer der Spieler, die plötzlich um ihr Leben fürchten mussten.

Sonntag 14 Uhr, im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark. Wie jeden Sonntag treffen sich hier zwei Freizeitmannschaften zum entspannten Kick, bei dem es um nichts geht, als Spaß zu haben und sich dabei möglichst nicht zu verletzen. Die Teams sind eingespielt, man kennt sich untereinander, zieht nicht durch und vermeidet Grätschen. Es geht um nichts, jede Woche aufs Neue.

An diesem Sonntag scheint die Sonne, es ist nicht zu warm und nicht zu kalt –ideales Fußballwetter. Gegen 15 Uhr ertönt ein lauter Knall aus Richtung der Cantianstraße, ungefähr von dort, wo die Häuserreihen einen Durchgang zur Hochbahn bilden.

Der Knall hört sich an wie eine Vergaserfehlzündung oder ein Böller. Niemand achtet darauf. Später erzählt einer der Spieler, er hätte gespürt, wie etwas an seinem Kopf vorbei flog. Aber zu diesem Zeitpunkt ergibt der Lufthauch überhaupt keinen Sinn.

Das Spiel geht weiter. Auf dem Halbfeld zu den Beachvolleyballplätzen hin postieren sich die Spieler in Erwartung einer Ecke. Dann folgt der zweite Schuss. Der Knall ist derselbe, auch die Richtung, aus der er zu kommen scheint. Nur folgt ihm jetzt ein trudelndes Zischen wie bei einem Feuerwerkskörper, einem „Heuler“ oder einem „Ufo“. Das Zischeln ist nah, sehr nah. Es zieht über die Köpfe hinweg Richtung Stadion.

Kurz nach 15 Uhr ist der Spaß vorbei. Ein Spieler, der eben noch die Ecke verteidigen wollte, liegt jetzt am Boden, hält sich den Oberschenkel. Es fühle sich an wie ein sehr harter Schlag oder Tritt, der seinen rechten Oberschenkel getroffen hätte, wird er später sagen. Dann sieht er den Einschuss: Das Projektil hat zwei gleichgroße Löcher an der Außenseite seines Oberschenkels hinterlassen. Zwischen der Ein- und der Austrittsstelle bildet sich ein blauer Bluterguss unter der Haut. Die Wunden bluten kaum. Die Mitspieler kommen zusammen. Es dauert einen Moment. bis jemand das Unfassbare ausspricht: „Da schießt jemand. Runter vom Platz!“ Und: „Holt die Polizei!“

Bilder vom Tatort:

Bislang war das Spiel auf dem anderen Halbfeld noch in vollem Gange. Dass ein Spieler am Boden liegt ist auch trotz gegenseitiger Rücksichtsnahme keine Seltenheit. Aber jetzt merken auch die anderen, dass etwas nicht stimmt. Immer mehr Rufe, den Platz zu verlassen und Deckung zu suchen, sind zu hören. „Das waren Schüsse!“ „Jemand ist getroffen worden!“ „Runter!“ Einige rennen quer über das Feld in Richtung der schützenden Bäume außerhalb des Sportplatzes, andere kauern sich hinter die Begrünung, die die zwei Großfelder voneinander trennt. Einige scheinen die Situation noch immer nicht erfasst zu haben, sie stehen irritiert auf dem sich leerenden Feld, begreifen nicht, dass jemand auf sie geschossen hat, dass jemand getroffen wurde, dass gerade eben etwas passiert ist, dass hier nicht passieren darf. Nicht in Prenzlauer Berg. Nicht auf ihrem Fußballplatz.

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