Berlin : Angriff auf Nazis: Student bleibt in Haft

Staatsanwaltschaft wertet Überfall auf Paar aus rechter Szene in Lichtenberg als versuchten Totschlag

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Der 21-jährige Mann, der Ende November zwei bekannte Rechtsextremisten angegriffen haben soll, wird auch das neue Jahr in Haft beginnen. Die Staatsanwaltschaft hat gestern beim Haftprüfungstermin beantragt, Matthias Z. in Haft zu lassen, sein Anwalt will ihn freibekommen. Die Entscheidung des Haftrichters soll erst in der kommenden Woche ergehen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Studenten vor, am Bahnhof Lichtenberg die Neonazi-Szenegrößen Sebastian Z. und Stefanie P. mit den Worten „Ich schlag euch tot“ mit Totschlägern angegriffen zu haben. Der Vorwurf lautet: versuchter Totschlag. Den Haftbefehl begründet die Justiz mit Flucht- und Verdunkelungsgefahr. Z. war zwei Wochen nach der Tat festgenommen worden. Bei einer Wohnungsdurchsuchung waren mehrere Schlagstöcke und ein Totschläger sicher- gestellt worden. Für den Anwalt von Matthias Z. gibt es „keine Beweise“ für die Täterschaft, der „Arbeitskreis Kritischer Juristen“ (AKJB) wirft der Polizei sogar „unsaubere Ermittlungen“ vor, die Attacke wird als „Schlägerei mit Rechtsextremisten“ bezeichnet. Z. selbst schwieg bislang in den Vernehmungen.

Doch die Staatsanwaltschaft sieht weiter dringenden Tatverdacht. Im Vorjahr war nach Informationen des Tagesspiegels gegen Z. ermittelt worden, weil er ebenfalls maskiert an einem Überfall auf einen Wahlstand der NPD beteiligt gewesen sein soll. Im Prozess war er freigesprochen worden, weil die Opfer ihn nicht wiedererkannt hatten. Auch damals waren Schlagwaffen in seiner Wohnung gefunden worden. Beim Überfall auf Sebastian Z. und dessen Freundin Stefanie P. waren es die Opfer, die die Polizei auf die Spur brachten. Denn die beiden Rechtsextremisten kannten Z. von Demonstrationen; in der Lichtbilderkartei der Polizei erkannten sie Z. wieder. Schon kurz nach der Tat hatte der Chef der Polizeidirektion 6, Michael Knape, gesagt: „Die wissen, wo wer wohnt.“ Er sollte recht behalten. Auf Internetseiten linker Gruppierungen gibt es diverse Fotos der Angegriffenen und in der rechten Szene kursieren Fotos des angeblichen Schlägers Z..

Wie berichtet, war die Attacke Ende November wohl ein Racheakt der Linken. Denn drei Tage zuvor war der PDS-Nachwuchspolitiker Kirill Jermak am Bahnhof Lichtenberg von zwei Unbekannten mit einer Flasche zu Boden geschlagen worden.

Um eine Eskalation der Links-Rechts-Gewalt zu vermeiden, hatte die Polizei danach ihre Präsenz im Weitlingkiez massiv verstärkt. Etwa 100 Polizisten sind seitdem in der Nacht rund um den Bahnhof Lichtenberg und in Schöneweide, der zweiten rechten Hochburg, auf Streife. Mit Erfolg: Anfang Dezember stoppten Beamte einen Trupp von 14 bewaffneten Rechtsextremisten im Bahnhof Lichtenberg. Wie der PDS-Politiker Jermak gestern sagte, gibt es dank der Polizeipräsenz einen „Waffenstillstand, aber keinen Frieden“.

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