Berlin : Angriff auf Schülerin: Unbekannter stach Mädchen mit Spritze

Werner Schmidt

Ein offensichtlich geistig verwirrter Mann hat am Hermannplatz in Neukölln drei Mädchen angegriffen. Dabei stach er einer der 13 Jahre alten Schülerinnen zweimal mit einer Spritze in das Gesäß. Die Tat ereignete sich bereits am 3. März im Übergang von der U 8 zum Kaufhaus Karstadt und wurde jetzt von der Mutter eines der Opfer bekannt gegeben. Die Polizei ermittelt wegen gefährlicher Körperverletzung gegen Unbekannt. Sie spricht von einem bisher einmaligen Vorfall.

Erschütternd für die Kinder war auch, dass trotz ihrer lauten und verzweifelten Hilferufe keiner der Passanten eingriff. Auch ein Mitarbeiter des Karstadt-Sicherheitsdienstes habe sich eher durch Hilflosigkeit als durch entschlossenes Handeln ausgezeichnet, kritisierten die Betroffenen. Dagegen versicherte ein Karstadt-Sprecher, es sei versucht worden, den fliehenden Täter zu stellen.

Vermutlich verfolgte dieser die Mädchen bereits in der U-Bahn. Als die drei am Hermannplatz ausstiegen, ging er hinter ihnen her. Plötzlich näherte er sich ihnen, stach eines der Kinder zweimal, ohne dass diese recht wusste, was und wie ihm geschah. Dann ergriff er ein zweites Mädchen. Er habe immer wieder gerufen: "Ich will tanzen, ich will tanzen!" Dabei drückte der etwa 20 Jahre alte und kräftige Täter das Mädchen gegen die Wand und fuchtelte mit der Spritze herum.

Die völlig verängstigte Schülerin rief laut um Hilfe. Die Passanten seien ohne Reaktion weitergegangen, berichtete das Mädchen später. Als schließlich ein Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes zu Hilfe eilte, floh der Täter. Es habe sich um einen etwa 1,70 Meter großen Mann gehandelt, der eine dunkle Jacke und einen dunklen Rucksack trug. Der Täter machte einen sportlichen Eindruck. Er habe leicht mongoloid ausgesehen, sagte eine der Schülerinnen.

Nach Auskunft der Polizei vom Freitag ist die Ermittlungsakte auch sechs Tage nach dem Vorfall noch auf dem Dienstweg. Die Kinder wurden bisher noch nicht als Zeugen befragt. Ebensowenig wurde ihnen die Lichtbildkartei mit möglichen Verdächtigen vorgelegt. Ein Beamter der zuständigen Kriminalpolizei in Kreuzberg sagte, die Mädchen sollten "demnächst" als Zeugen befragt werden.

Für die 13-Jährige, die mit der Spritze gestochen wurde, und ihre Eltern schließen sich nun bange Wochen an. Denn ob der Spritzen-Angriff tatsächlich ohne gesundheitliche Folgen für das Kind bleibt, kann noch nicht mit hundertprozentiger Sicherheit gesagt werden. Eine erste Blutuntersuchung stellte Hepatitis-Erreger fest, zwei nachfolgende Tests allerdings waren ohne Befund, schilderte die Mutter. Um ganz sicher zu gehen, dass mit der Spritze keine Krankheitserreger übertragen wurden, sind allerdings weitere medizinische Untersuchungen erforderlich.

Ebenso schwer wie die möglichen gesundheitlichen Folgen wiegt für die Mädchen aber die psychische Belastung: An ursprünglich als sicher geltenden Orten könne sie sich nicht mehr sicher fühlen, sagte die Mutter eines der angegriffenen Mädchen. Zu erleben, dass in einer Situation der höchsten Gefahr niemand bereit war zu helfen, dass die Kinder sich selbst überlassen wurden - auch das ist eine traumatische Erfahrung.

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