Angriff : Besucher auf Berliner Weihnachtsmärkten vergiftet

Mit heftigen Symptomen sind mehrere Weihnachtsmarkt-Besucher in die Klinik gekommen. Ein Mann hatte ihnen offenbar vergiftete Schnäpse angeboten. Schausteller sind entsetzt.

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Am 12. Dezember wurde ein weiterer Fall von Giftopfern auf Berliner Weihnachtsmärkten bekannt: Am Alexanderplatz traf es eine 31-Jährige und einen 33-Jährigen.Weitere Bilder anzeigen
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09.12.2011 11:36Am 12. Dezember wurde ein weiterer Fall von Giftopfern auf Berliner Weihnachtsmärkten bekannt: Am Alexanderplatz traf es eine...

Bauchkrämpfe, Erbrechen, Wahrnehmungsstörungen – bis hin zur Bewusstlosigkeit: Ein Besuch auf den Weihnachtsmärkten am Breitscheidplatz und auf dem Alexanderplatz endete für mehrere Menschen am Donnerstag im Krankenhaus, nachdem ihnen ein Unbekannter offenbar vergiftete Schnapsfläschchen angeboten und sie zum Umtrunk eingeladen hatte. Was den Mann trieb, ist völlig unklar. Er war jeweils nach den Taten im Gedränge verschwunden. Auch, welche Substanz es war, die der Täter in die Flaschen mischte, ist noch nicht bekannt. Kriminaltechniker untersuchen derzeit die Reste in den Schnapsflaschen. Die Opfer wurden am Freitag alle wieder aus den Krankenhäusern entlassen. „Es geht ihnen besser“, hieß es bei der Polizei.

Der Weihnachtsmarkt vor der Gedächtniskirche am Breitscheidplatz gegen 17 Uhr: Der Mann spricht ein Touristenpaar an und verführt die beiden Studenten mit einer Lügengeschichte zum Trinken. Angeblich sei er gerade Vater einer kleinen Tochter geworden und wolle deshalb mit kleinen Schnapsflaschen, die er ausgab, auf die Geburt anstoßen. Der 26-jährige Italiener und die 24-jährige Slowakin trinken. Schon kurz danach erleiden beide starke Krampfanfälle, sie müssen sich übergeben. Die Slowakin verliert das Bewusstsein. Ein Notarzt bringt sie in die Klinik, wo sie über Nacht bleiben muss.

Später am Abend, gegen 21 Uhr, passiert das Gleiche auf dem Weihnachtsmarkt am Alexanderplatz in Mitte: Offenbar spricht derselbe Mann dort drei 23 und 24 Jahre alte Frauen an. Auch hier erzählt er die Geschichte von der angeblichen Geburt seiner Tochter und spendiert den Frauen Schnapsfläschchen. Sie trinken mit. Danach wird auch ihnen übel, sie müssen sich übergeben. Beate K. bricht sogar bewusstlos zusammen. Sie wird, ebenso wie Jaqueline S., ins Krankenhaus gebracht.

Der Schaustellerverband Berlin spricht von einer „offenbar gezielten Vergiftung von Weihnachtsmarktbesuchern“ und verurteilt die Taten „als Akt der Heimtücke“. Die Vorfälle seien „furchtbar“, alle Standbesitzer würden zu erhöhter Wachsamkeit angehalten, ebenso die Sicherheitsdienste, sagte Jürgen Neye, Mitorganisator des Weihnachtsmarktes an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche.

Wie ein Ermittler sagte, habe der Mann „handelsübliche Schnapsflaschen“ verteilt, die von außen offenbar völlig unverdächtig wirkten. In beiden Fällen habe die Polizei die Flaschen sichergestellt. Vermutlich sei dem Schnaps „etwas Ähnliches wie K.O.-Tropfen“ beigemischt worden. Die sogenannten K.O.-Tropfen sind farb- und geruchlos. In der Vergangenheit wurden wiederholt Fälle bekannt, bei denen insbesondere junge Frauen in Diskos zu Opfern wurden, weil die Tropfen in ihr Getränk gemischt worden waren. Das Ziel der Täter sei entweder, Frauen damit außer Gefecht zu setzen, um sich sexuell an ihnen zu vergehen, oder die Opfer zu berauben. Meist hatten die Frauen zuvor jemanden in einer Bar kennengelernt und mit zu sich nach Hause genommen. Oft waren sie erst wieder zu sich gekommen, als der Täter bereits mit den Wertsachen verschwunden war.

Bei den Taten auf den Weihnachtsmärkten wurden die Opfer weder beraubt noch bestohlen. „Dazu war es auch viel zu voll, das hätten zu viele Leute mitbekommen“, sagt ein Beamter. Die Polizei sucht jetzt nach einem etwa 45 Jahre alten Mann, der 1,80 Meter groß und schlank sein soll. Er trägt kurze, dunkelblonde Haare. Die Polizei rät zu erhöhter Wachsamkeit. tabu/ses

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