Angriffe auf BVG-Mitarbeiter haben zugenommen : Spucken zählt jetzt als Attacke

Sie werden beschimpft, beleidigt und bespuckt: Die Angriffe auf Mitarbeiter der BVG, vor allem auf Busfahrer und Kontrolleure, haben der Statistik nach zugenommen - weil anders gezählt wird.

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Mehr Vorfälle bei der BVG.
Mehr Vorfälle bei der BVG.Foto: dpa

Es ist gerade erst wieder passiert: Zwei Mitarbeiter der BVG waren am Freitag attackiert und geschlagen worden. Sie hatten drei junge Männer gegen fünf Uhr auf das Rauchverbot im U-Bahnhof Friedrichstraße hingewiesen. Das Trio reagierte zunächst mit Beleidigungen und anschließend mit Gewalt: Einem 52-Jährigen rammte einer der Täter sein Knie ins Gesicht und schubste ihn kurz darauf die Treppe hinunter, sein 53-jähriger Kollege wurde geschlagen. Danach flüchteten die drei Männer aus dem U-Bahnhof – und zwar mit einem Bus der BVG. Der Polizei gelang es, das Fahrzeug zu stoppen und die drei Gewalttäter festzunehmen. Der 53-Jährige erlitt Hautabschürfungen, sein Kollege kam mit Verdacht auf einen Nasenbeinbruch ins Krankenhaus.

Die Attacken auf Mitarbeiter der BVG haben zugenommen, zumindest statistisch. Denn inzwischen zählen auch wüste Beschimpfungen von Fahrgästen als „Angriff auf das Personal“. Die Zahl der registrierten Attacken hat sich im vergangenen Jahr deshalb verdoppelt. Wurden 2011 genau 501 Attacken gezählt, waren es 2012 genau 1004. In 173 dieser Fälle wurden die Opfer im vergangenen Jahr krankgeschrieben, 2011 waren es 163 Fälle. Beim großen Rest von 831 Angriffen handelt es sich um Beschimpfen, Bespucken und Bewerfen. BVG- Sprecherin Petra Reetz erklärte, dass viele Fahrer solche Attacken früher einfach weggesteckt und nicht gemeldet hätten. Die Bereitschaft, solche Angriffe im Unternehmen zu melden, sei gestiegen.

Keineswegs habe sich die Gewalt gegen Busfahrer in einem Jahr verdoppelt, hieß es, nur das Dunkelfeld sei aufgehellt worden. Einen ähnlichen Effekt kennt die Polizei: Seit über Delikte wie Kindesmissbrauch oder häusliche Gewalt in der Gesellschaft gesprochen werde, schnelle auch die Zahl der Anzeigen nach oben. Auch dort wird der Anstieg mit einem veränderten Anzeigeverhalten erklärt.

Reetz beklagt, der „Respekt vor dem Arbeitsplatz“ gehe immer mehr verloren. Busfahrer seien schließlich nicht für die Tarife oder Linienänderungen verantwortlich, dennoch würden sie beleidigt oder bespuckt. Offenbar werden Busfahrer am meisten angegriffen, häufiges Opfer sind zudem Kontrolleure. Die BVG bietet ihren Fahrern die Teilnahme an einem Deeskalationstraining an. Dort sollen die Mitarbeiter lernen, sich auf Beleidigungen einzustellen, Motto: Nicht ich bin gemeint, sondern die BVG.

Angriffe oder Pöbeleien können nicht an bestimmten Mustern festgemacht werden. Beleidigt werde die zierliche Frau am Steuer genauso wie der Zwei-Meter-Mann. Wenn sie gehäuft ertragen werden müssen, machten selbst harmlosere Attacken krank, sagt Reetz. „Einmal anspucken wird weggesteckt, nach dem fünften Mal bricht man vielleicht zusammen.“ Seit 2012 definiert das Unternehmen Beleidigungen, die „über den Berliner Charme hinausgehen“, als Angriff. Die Angreifer seien nicht ausschließlich Jugendliche oder Heranwachsende, auch Ältere fielen auf.

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