• Angriffe, Beleidigungen, Sieg-Heil-Rufe Am Himmelfahrtstag neue rassistische Übergriffe

Berlin : Angriffe, Beleidigungen, Sieg-Heil-Rufe Am Himmelfahrtstag neue rassistische Übergriffe

Innensenator schließt rechte Strategie nicht aus

Tanja Buntrock

Nach einer neuen Serie fremdenfeindlicher Übergriffe am Himmelfahrtstag schließt Innensenator Ehrhart Körting (SPD) eine gezielte Strategie der Rechtsradikalen nicht aus: „Eine der möglichen Ursachen für die Häufung von rechten Straftaten in den vergangenen Wochen könnte sein, dass die Rechten in Zusammenhang mit der bevorstehenden Weltmeisterschaft und dem damit verbundenen Medieninteresse Aufmerksamkeit auf sich lenken wollen.“

Opfer von ausländerfeindlichen Übergriffe in Berlin waren am Himmelfahrtstag ein Libanese, ein Mann aus Guinea, ein Türke sowie ein dunkelhäutiger Deutscher. Zudem löste die Polizei eine private Party von Rechtsextremisten auf. Insgesamt zehn Männer wurden am Feiertag festgenommen. Der Staatsschutz hat die Ermittlungen übernommen.

Mit „Scheiß Hakennase“ und anderen Beschimpfungen ist am U-Bahnhof Hallesches Tor in Kreuzberg ein 31-jähriger Libanese von neun Männern beleidigt worden. Die 20 bis 23 Jahre alten Tatverdächtigen, die nach Polizeiangaben stark betrunken waren, sollen sich vor dem Libanesen aufgebaut und ihn bedrängt haben. Als er flüchten wollte, warf einer aus der Gruppe mit einer Bierflasche nach ihm, ohne ihn zu treffen. Die alarmierten Polizisten nahmen die Tatverdächtigen wenig später auf dem Bahnsteig fest.

Auf dem S-Bahnhof Wedding folgte um 0.30 Uhr ein 38-jähriger Mann einem 33-Jährigen aus Guinea in den S-Bahn-Waggon und beleidigte ihn mit den Worten „Ausländer raus“, wie es im Polizeiprotokoll heißt. Anschließend zündete er einen Silvesterböller und warf diesen direkt auf den Afrikaner. Das Sicherheitspersonal der Bahn hielt den Mann fest und übergab ihn der Bundespolizei.

Nach einem fremdenfeindlichen Übergriff von Skinheads in der Schönhauser Allee in Prenzlauer Berg hat die Polizei gestern auch den vierten Tatverdächtigen, einen 46-Jährigen, in seiner Wohnung gefasst. Die drei anderen waren, wie berichtet, bereits kurz nach dem Übergriff in der Gleimstraße festgenommen worden. Die vier Männer sollen einen 27-jährigen türkischstämmigen Mann verprügelt haben. Er erlitt mehrere Prellungen. Die Vorgeschichte: Er war gemeinsam mit zwei deutschen Freunden seiner norwegischen Freundin zu Hilfe gekommen. Die Täter hatten die Frau geschubst.

Im italienischen Restaurant „Bonfini“ in der Münzstraße in Mitte ist ein dunkelhäutiger Deutscher unter anderem mit „Scheiß Kanake“ beleidigt worden. Er war dem Wirt zu Hilfe gekommen, als dieser drei betrunkenen Deutschen den Zutritt zum Lokal verwehrte. Daraufhin gab es ein Handgemenge zwischen den Betrunkenen auf der einen und dem Wirt mit dem dunkelhäutigen Stammgast auf der anderen Seite. Die Beteiligten zeigten sich daraufhin gegenseitig an, hieß es bei der Polizei.

Laute „Sieg- Heil“-Rufe und antisemitische Parolen hörten Beamte des Polizeiabschnitts im Hellersdorfer Ortsteil Kaulsdorf gegen 19.30 Uhr. Die Suche nach den Tätern verlief zunächst erfolglos, bis eine Zeugin einen Hinweis auf deren Wohnung gab. Bereits auf der Straße drang laute Nazi-Musik mit volksverhetzenden Texten aus dem Wohnhaus nach draußen. Gegen sieben der zehn Feiernden wird nun ermittelt. Einige sind bereits wegen rechtsextremer Straftaten bekannt. Auch wurden mehr als 60 CD’s beschlagnahmt.

Als Reaktion auf die fremdenfeindlichen Angriffe wurde gestern Abend in Lichtenberg unter dem Motto „Gemeinsam gegen Rassismus und rechtsextreme Gewalt“ demonstriert. Antifaschistische Gruppen hatten dazu aufgerufen, etwa 1250 Personen nahmen teil. Anlass war die Attacke auf den PDS-Politiker Giyasettin Sayan, der am Freitag letzter Woche nahe dem S-Bahnhof Lichtenberg schwer verletzt worden war. Nach Polizeiangaben startete der Protestzug gegen 18.30 Uhr am S-Bahnhof, wo er gegen 20 Uhr auch endete. Die Polizei war mit 300 Beamten präsent. Es gab drei kurzzeitige Festnahmen sowie über 20 Platzverweise gegen Rechte, die sich an der Demonstrationsstrecke aufgehalten hatten.

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