Berlin : Angst vor Anschlägen: Alles unter Kontrolle

C. v. L./weso

Nach den Terroranschlägen in den USA gilt für das Bundeskanzleramt inzwischen die höchste Sicherheitsstufe. Mitarbeiter müssen bei der Autoanfahrt Motorhauben öffnen und Personal- und Dienstausweise zeigen; Bundesgrenzschutz und Bundeskriminalamt haben die Sicherheitsvorkehrungen auch für Bundesministerien verschärft. Auch der Bundestag überprüft seine Besucher intensiver als bisher.

Die Parlamentsverwaltung versicherte, dass es zwar "keine besondere Alarmlage" gebe, die Kontrollen beim Betreten der Bundestagsbauten seien aber verstärkt worden. Die Reichstagskuppel werde weiterhin in gewohnter Weise besucht, Klagen und Beschwerden über stärkere Kontrollen gebe es nicht. Im Auswärtigen Amt am Werderschen Markt, das in der vergangenen Woche nach einer Bombendrohung geräumt werden musste, ließen sich verschärfte Kontrollen auf den ersten Blick nicht erkennen. Das öffentliche Café im großen Foyer ist ohne Kontrollen zugänglich, der Weg zu den Toiletten führt weit ins Innere des Bürogebäudes. Das Haus wird vorn von Polizisten kontrolliert, an seinen langen Flanken allerdings wirkt es ungeschützt. Das Ministerium wollte sich über die Sicherheitsfragen nicht äußern, eine Mitarbeiterin teilte mit, für die Beschäftigten habe sich nichts geändert.

In den Behörden wird bereits über die Schattenseiten des Konzepts diskutiert, demzufolge sich Bundesbauten integrieren und öffentlich wirken sollten. In Krisenzeiten sind größere Schutzzonen nicht möglich, Dienststellen teilen sich sogar Büroetagen mit anderen Mietern. An der Wilhelmstraße sind Bundestagsbüros ein Stockwerk über der afghanischen Botschaft zu finden.

Die Sicherheitsexperten sind ratlos. "Gegen Flugzeuge kann man keine Personenschützer einsetzen", sagt Werner Aping. Der Kriminalbeamte ist beim Bundeskriminalamt zuständig für den Schutz von Ministerien, Bundestagsabgeordneten, den Bundesrat und den Bundespräsidenten. "Wir haben eine große Zahl potenzieller Schutzpersonen." Allerdings müsse man mit dem vorhandenen Personal haushalten. "Wir brauchen einen langen Atem", sagte Aping. Derzeit werde beobachtet und bewertet, aber der normale Dienst gehe weiter, auch wenn jedermann sehr angespannt sei.

Inzwischen überlegt die Polizeiführung, auch die Wasserschutzpolizei für die Bewachung von Gebäuden einzusetzen. Das war bereits 1999 während des Prozesses gegen den Kurdenführer Abdullah Öcalan in der Türkei geschehen. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) verlangte gestern, die für den Objektschutz zuständige Wachpolizei personell aufzustocken. 300 Bewerbungen lägen vor. Derzeit sind 1480 Wachpolizisten im Einsatz und bewachen 100 als gefährdet eingestufte Gebäude und Einrichtungen.

Inzwischen reagieren die Sicherheitskräfte in den Büros von Bundestag und -regierung empfindlich wie Seismographen: Gestern Vormittag war es eine Schachtel Zigaretten, die in der Poststelle des Reichstags Aufregung auslöste. Ein Bundestagssprecher bezeichnete die Überprüfung des verdächtigen Päckchens als Routine. Es sei aufgefallen und anschließend in einem Röntgengerät überprüft worden. Dabei sei der Inhalt identifiziert worden. Die Poststelle im Bundestag überprüfe regelmäßig die eingehende Post auf verdächtige Sendungen.

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