Berlin : Angst vor dem, was sein könnte

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Kleine Geschichten von oder über Menschen, die auf den Arzt warten, die stehen hier jeden Montag. Heute: unsere Autorin Dagmar Dehmer beim UltraschallExperten in Charlottenburg.

Noch nie habe ich so oft im Wartezimmer gesessen. Dabei bin ich nicht krank. Ich sitze da mit anderen Frauen, die sich auch nicht krank fühlen. Es ist nur so, dass wir ein Kind bekommen.

Bei mir und diesen Frauen ist jeden Monat eine Kontrolluntersuchung fällig. Ich gelte nämlich als „Risikoschwangerschaft“, weil ich die 30 schon länger überschritten habe. Ich muss also regelmäßig hin zu diesem Ultraschallexperten, der so genau hinschaut, der sogar das Gehirn unseres Babys sehen will und seine Herzkammern, und in dieses Wartezimmer.

Es ist ein komisches Wartezimmer. Keinem geht es schlecht, aber viele haben Angst. Beim letzten Mal war da ein kleines Mädchen, behindert, das versuchte, auf einen Stuhl zu krabbeln. Kaum saß es, kullerte es herunter. Die Eltern saßen in der Ecke und hielten sich an den Händen. Wer hierher kommt, ist beinahe schon überzeugt, dass etwas nicht stimmt.

Es ist ein Wartezimmer, in dem sich Freude schnell verwandeln kann. Wir sind auch immer ganz angespannt. Aber später, drinnen beim Arzt, taucht das Kleine auf einer Leinwand auf wie im Kino, sieht riesig aus – und sehr zufrieden. Es räkelt sich, strampelt und lutscht Daumen. In Ordnung, sagt der Arzt. Wir gehen wieder, vorbei an den Paaren, die dasitzen und Angst haben.

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