Anhalter Bahnhof : Kleiner Staeck-Brief zum 75.

von
Anhalter Bahnhof

Wahrscheinlich sind die Linken die wahren Traditionalisten. Auch wenn es „die Linken“ natürlich nicht gibt, ebenso wenig wie „die Künstler“ und „die Politiker“. Aber sie kommen schon noch vor, die absoluten Phänotypen. Klaus Staeck gehört dazu. Denn er ist ohne Zweifel – ein Linker. Seit Jahrzehnten, so steht’s auf seiner Homepage, „unterwegs in Sachen Kunst und Politik“.

Der Plakatkünstler, Sozialdemokrat und Jurist glaubt wahrhaftig an so etwas wie Aufklärung. Er vertritt Werte vehementer als die meisten Konservativen. Wie kann er sonst seit sieben Jahren Präsident der Akademie der Künste sein, einer Institution, deren Geschichte bis 1696 zurückreicht! Da gab es in den Sümpfen Brandenburgs noch keine SPD, und an den Pariser Platz, wo der Akademiepräsident in seinem Glashaus sitzt, war auch noch nicht zu denken. Am heutigen Donnerstag feiert Klaus Staeck in Berlin 75. Geburtstag, und er verkörpert vor allem dies: Beständigkeit. Das kann die Nerven strapazieren. Das soll es auch, noch lange!

Wie der Jubilar, hat so eine Akademie etwas Beharrendes. Hier ruhen massive Archive, hier werden Schriftstellernachlässe verwaltet. Es gibt auch eine „Junge Akademie“, aber das muss man eher als Hinweis darauf verstehen, dass Akademiemitglieder in der Regel gesetzte Persönlichkeiten sind. In der Zeit der Teilung lief es etwas anders. Da war die West-Akademie auch einmal ein Ort der Avantgarde, sie war jung, es gab noch kein Haus der Kulturen der Welt, kein HAU, während die Akademie im Osten staatstragend dastehen musste. Nach dem quälenden, turbulenten Vereinigungsprozess war die Akademie erschöpft und erreichte nur mit knapper Not ihren Neubau am Brandenburger Tor.

Man fragt sich immer mal wieder, wozu eine Akademie eigentlich gut sei. Ob sie nicht bloß ein Selbstzweck ist: „Deutsche Arbeiter! Die Akademie will euch eure Villen im Tessin wegnehmen“?! Klaus Staeck, das liegt in seiner Natur, will die Akademie zum Forum machen, die harten Themen ansprechen. Da hat er in dieser Stadt viel Konkurrenz. Debatten und Diskurse überall. Die Talkshow ist wie Coffee to go.

Und trotzdem ist es wichtig, heißt alt und links nicht langweilig und von gestern. Am kommenden Dienstag diskutiert Klaus Staeck mit Kurt Westergaard, der als Mohammed-Karikaturist in die Schusslinie geraten ist. Sie wollen über Meinungsfreiheit sprechen, aber auch über die Verantwortung der Satiriker. Da war doch was? Da wird immer etwas sein. Es ist eine öffentliche Veranstaltung. Es herrscht höchste Sicherheitsstufe. Rüdiger Schaper

1 Kommentar

Neuester Kommentar