Ankerplatz (7) : Mit der Jolle übern Wannsee

Blitzschnell reagieren, taktisches Spiel mit Wind, Boot und Wellen - in einer Jolle lässt es sich schnell über Berliner Gewässer segeln. Noch bis Sonntag zeigt die Messe Boot und Fun was das Kapitänsherz begehrt.

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Was Eckhard Hunger und Matthias Menningen am Segeln fasziniert? „Das blitzschnelle Reagieren, das taktische Spiel mit Wind, Boot und Wellen. Da wird der Kopf freigeblasen.“
Was Eckhard Hunger und Matthias Menningen am Segeln fasziniert? „Das blitzschnelle Reagieren, das taktische Spiel mit Wind, Boot...Foto: Christoph Stollowsky

Allzuweit darf sich Matthias Menningen mit der Großschot in der Hand nicht über Bord legen trotz aller Segelbegeisterung, und Eckhard Hunger muss als Vorschoter schön ruhig in der Hocke bleiben, sonst kippen sie mitsamt ihrer aufgebockten Jeton-Rennjolle in Halle 25 um. Aber die beiden klettern eben bei jeder Gelegenheit gerne in ihr Boot, weil sie sich verliebt haben „in diesen Jollentyp“ und seit 1975 ums Überleben der exotischen Jeton-Regattaklasse kämpfen. Rund dreißig Jetons gibt es in Berlin, es sind recht kippsichere Segler mit einem besonders flachen Rumpf, der leicht ins Gleiten kommt. Sechs liegen beim Potsdamer Yachtklub am Wannsee. Die Trainingsgruppe Berlin von Menningen und Hunger fährt mit diesen Booten jeden Mittwoch ab 17 Uhr raus.

1972 brachte die Faltboot-Firma „Klepper“ die Jeton-Jollen als Billig-Boote auf den Markt. Nur 6000 Mark kostete damals der Segler. Das Material war entsprechend wenig strapazierbar, die Konstruktion aber erwies sich als gelungen. Schnell bildetete sich eine Fangemeinde sportbegeisterter Segler, die diese renngeeignete Jolle qualitativ verbessern wollten. Doch Klepper zog sich schon 1975 aus der Jachtbranche zurück, Jeton-Jollen wurden nicht mehr hergestellt. Es blieb den Berliner Seglern vorerst keine andere Chance, als diese selbst zu bauen. Matthias Menningen und Eckhard Hunger – beide von Beruf Physiker – wagten die Herausforderung, rechneten und tüftelten, bis die ersten Jollen fertig waren. Das ging viele Jahre so weiter. Doch inzwischen haben sie eine Werft an der Küste gefunden, die Jetons wieder auf Bestellung herstellt.

Die Fans kennen sich. „Beim Training und bei den Regatten geht’s bei uns wunderbar familiär zu“, sagt Eckhard Hunger. Was ihn und Matthias Menningen am Segeln fasziniert? „Das blitzschnelle Reagieren, das taktische Spiel mit Wind, Boot und Wellen. Da wird der Kopf freigeblasen.“

Boot und Fun bis 27. November, täglich 10-18 Uhr, Eintritt 9 Euro (ermäßigt 7 Euro). Von Freitag bis Sonntag bietet die Messe noch mehr als in den vergangenen Tagen: In vier zusätzlich geöffneten Hallen werden zahlreiche Trendsportarten präsentiert - vom Tauchen und Surfen über Angeln und Kajakfahren bis zum Klettern und anderen Outdoor-Vergnügungen.

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