Berlin : Anklage gegen Sprengmeister

Werner B. hortete hunderte Waffen im Keller – bis sie explodierten

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Sein Name steht auf dem Klingelschild, als sei nichts gewesen. Erste Etage rechts in der Kreuzberger Kloedenstraße. Hier hat Werner B. lange Jahre gewohnt, ein stiller Mann, inzwischen 59 Jahre alt, mit einer gefährlichen Leidenschaft für Sprengstoff und Waffen. Damit werkelte er in seinem Keller herum, der eine Stahltür hat, statt der üblichen Holzgitter. So oft, dass die anderen Mieter schon Witze rissen. Ob der da Bomben baut?

Am 31. März bekamen sie die Antwort: Ja, so etwas in der Art macht Werner B. da. Mit einem Knall verpufften Chemikalien, Werner B. wurde schwer verletzt – und er wurde festgenommen. Und seit gestern ist die Anklage gegen ihn fertig: wegen Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz und das Waffengesetz sowie wegen des fahrlässigen Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion. Es hätten sich aber „keine Hinweise dafür ergeben, dass mit den sichergestellten Waffen Handel getrieben wurde“, teilte Justizsprecher Björn Retzlaff mit. Dabei lag der Verdacht nahe: 349 selbst gebaute Handgranaten, 176 Kilogramm Explosivstoffe, zwei Maschinenpistolen, 67 Pistolen, Revolver oder Gewehre und 18000 Schuss Munition lagen im Keller.

Werner B. war bis Dezember 2002 bei einem Unternehmen für Kampfmittelbeseitigung beschäftigt, und er hatte eine Waffenbesitzkarte. Seine Taten erklärte er damit, schon immer „ein sehr großes Interesse an Waffen und Explosivstoffen gehabt zu haben“. Immerhin hat er es dabei zu einiger Güte gebracht. Im Untersuchungsbericht des Landeskriminalamts steht, dass die „auf Heimwerkerniveau“ produzierten „unkonventionellen Spreng und Brandvorrichtungen annähernd professionelle Standards“ erfüllen. Sie waren alle voll funktionstüchtig.

Wegen seiner bizarren Leidenschaft saß Werner B. bereits einmal im Gefängnis, 1977 in der damaligen DDR. Da hatte er seine neu gebastelten Waffen auf einem Acker ausprobiert, war dabei von den Genossenschaftsbauern erwischt worden und hatte die mit der Waffe bedroht, als sie ihn zur Rede stellen wollten. Das reichte für sechs Jahre. Danach schob man Werner B. ab nach Westen. An seinem Hobby änderte das nichts. ari

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