Anklage wegen versuchten Mordes : Prozess um Soldaten, der Schüler auf Gleis schubste

Am S-Bahnhof Friedrichstraße soll ein Soldat im Dezember 2011 einen Schüler auf das Gleis geschubst haben. Dieser entging nur knapp dem Tod. Jetzt muss sich der Beschuldigte wegen versuchten Mordes verantworten.

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Die S-Bahn fuhr ein, als der Soldat den Schüler angriff. „Er schubste mich, ich fiel auf das Gleis, sah den Zug, es war ein Schock“, sagte der 17-Jährige vor dem Landgericht. Er entging nur knapp dem Tod. Ihn rettete die schnelle Reaktion des Zugführers – und eines Fahrgastes, der ihn aus dem Gleisbett zog. Die Attacke des Soldaten am 27. Dezember 2011 auf dem S-Bahnhof Friedrichstraße war laut Anklage versuchter Mord.

Es gibt Augenzeugen und Videoaufnahmen, die den 20-jährigen Nils P. belasten. „Es war ein Reflex, ich war wütend und habe ihn mit extremer Wucht von mir weggestoßen“, gestand er. Über die Folgen des Schubsens sei auch er geschockt gewesen. „Ich hatte nicht die Absicht, ihn zu töten“, beteuerte der durchtrainierte Zeitsoldat. Er beschrieb einen Abend, an dem er viel getrunken und sich in einer Diskothek amüsiert hatte. Auf dem Heimweg aber sei es am Bahnhof Zoo zum Streit gekommen. „An einem Imbiss sprach er mich an“, sagte der Angeklagte. Angeblich wollte der ebenfalls angetrunkene Schüler etwas von dem Burger haben, den P. aß. Sie beleidigten sich gegenseitig. „Es hat sich hochgeschaukelt“, gaben die Kontrahenten übereinstimmend zu. Dann spuckte der Schüler in Richtung des Freundes des Soldaten. Der wurde wütend. „Ich machte 30 Liegestütze, war danach ruhiger“, sagte der Angeklagte.

Auf dem Bahnhof Friedrichstraße aber trafen sie sich erneut. Der Soldat wollte den Schüler wegen des Spuckens zur Rede stellen. „Es sah aus, als würde er die Faust ballen, meinen Freund schlagen“, behauptete er. Näher liege, dass der viel schwächere Schüler aus Angst zuckte, hielt der Richter dem 1,93 Meter großen Angeklagten vor. Dass bei seinem Angriff ein Zug einfuhr, will er nicht gesehen haben. „Ich hatte meine Kraft nicht unter Kontrolle.“ Der Schüler erlitt eine Gehirnerschütterung und Schürfwunden. Der Prozess geht Montag weiter.

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