Anleitung zum Angestelltsein : Jobpaten helfen Arbeitslosen in den Beruf

Wie bewerben? Wie viel Geld verlangen? Ehrenamtliche beraten Arbeitslose beim Jobpatenprojekt der Diakonie – mit großem Erfolg. Auch Führungskräfte engagieren sich. Arbeitssenatorin Dilek Kolat (SPD) setzt jetzt auch auf Coaches für Jobsuchende.

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Papierkrieg. Wer einen Job sucht, muss sich auch mit Formularen auskennen.
Papierkrieg. Wer einen Job sucht, muss sich auch mit Formularen auskennen.Foto: picture alliance / dpa

Er las jede Woche die Stellenanzeigen, schrieb Bewerbung um Bewerbung – doch am Ende landeten nur Absagen in seinem Briefkasten. Nicht einmal zu Vorstellungsgesprächen wurde Michael T., 30, aus Friedrichshain eingeladen. Der BWL-Absolvent wollte einen Job in der Telekommunikationsbranche, bewarb sich schließlich aber auf alle möglichen Stellen. Ohne Erfolg. „Die Absagen haben an meinem Ego gekratzt“, sagt er. Auch, weil er nicht wusste, woran er scheiterte. Zwar hatte der 30-Jährige bereits eine Stelle, war dort aber unzufrieden und suchte einen neuen Arbeitsplatz. Schließlich hörte er von dem Diakonie-Patenmodell „Arbeit durch Management“ und hoffte auf Unterstützung.

Arbeitssenatorin Dilek Kolat (SPD) will so etwas mit den Jobcentern anbieten, die Diakonie stemmt das bereits, aber ehrenamtlich. Bei dem Projekt unterstützen Jobpaten arbeitssuchende Menschen. Sie beraten, betreuen und begleiten auf dem Weg zu einem neuen Arbeitsplatz. Alle Jobpaten haben in ihrem Berufsleben Personalverantwortung und leitende Positionen innegehabt oder sind noch Chefs – sie können gut beurteilen, was in ihrer Branche wichtig ist. Auch Rentner engagieren sich. Die Erfolgsquote ist hoch: „Über 70 Prozent der Patenschaften werden erfolgreich abschlossen“, sagt Koordinator Norbert Grosse.

In Berlin haben 2011 gut 60 Klienten mit der Hilfe ihrer Jobpaten eine neue Arbeit gefunden. Zum Großteil auf dem ersten Arbeitsmarkt. Bundesweit wurden seit 1998 über 3000 Jobs vermittelt. Auf der Internetseite von „Arbeit durch Management“ können Arbeitssuchende ein Profil einrichten, Lebenslauf und Zeugnisse hochladen. Je vollständiger die Informationen, desto höher die Chance, von einem der Jobpaten kontaktiert zu werden.

Derzeit haben etwa 130 Arbeitssuchende ein Profil erstellt. „Das sind alles Menschen, die etwas leisten wollen. Doch es lässt sie keiner“, sagt Projektassistentin Ilona Amiri. Vor allem ältere Bewerber und Langzeitarbeitslose hätten es schwer. Das Patenmodell unterstützt auch Menschen mit Behinderungen, darunter Blinde und Arthrose-Betroffene. „Viele Arbeitgeber haben Vorurteile gegenüber diesen Menschen mit einem Handicap“, sagt Amiri. Dabei seien viele von ihnen hoch motiviert. Doch nach einer längeren Arbeitslosigkeit steigen die Selbstzweifel. Scham und Ausgrenzung sind mögliche soziale Konsequenzen. Neben der Jobvermittlung wolle man „Arbeitssuchende auch motivieren, nach Rückschlägen nicht aufzugeben“, sagt Projektassistentin Ilona Amiri. Auf der Internetseite der Jobcenter heißt es: "In unserer Initiative unterstützen Personalprofis und Führungskräfte aus der Wirtschaft als ehrenamtliche Jobpaten Arbeitsuchende bei der beruflichen Integration".

Karin Rietz, Sprecherin der Senatssozialverwaltung, begrüßt das Projekt. „Je vernetzter ein Arbeitssuchender in der Arbeitswelt ist, umso eher findet er auch einen neue Arbeitsstelle“, sagt sie. Eine zentrale Rolle dabei spielen die Jobpaten. In Berlin engagieren sich derzeit rund 70 Paten als Berater bei den Diakonie-Ehrenamtlern.

Einer von ihnen ist der Vertriebsmanager Dieter Hartung, 51, aus dem brandenburgischen Velten. Er arbeitet in der IT-Branche und ist in seiner Freizeit seit drei Jahren als Jobpate aktiv. „Ich bin lange genug in der Branche, um zu wissen, worauf es ankommt“, sagt er. Sobald sein letzter Schützling eine Arbeit gefunden hat, liest er sich die aktuellen Profile auf der Patenmodell-Internetseite durch – und ist dabei auf Michael T. gestoßen. Beide haben sich im Haus der Diakonie in Steglitz getroffen.

Zunächst haben beide den Ist-Stand aufgenommen. „Ich sollte mich mit mir selbst beschäftigen und eine Stärken-Schwächen-Analyse erstellen“, sagt Michael T. „Zu wissen, was ich kann, tat mir gut.“ Auch dem Selbstbewusstsein. In weiteren Treffen hat sich Hartung mit den Bewerbungsunterlagen beschäftigt. Und Verbesserungsvorschläge gemacht. „Ehrlich gesagt hatte ich eine Art Standardbewerbung, die auf jede Stelle passt“, sagt Michael T. Er hat sich zu wenig mit dem Unternehmen befasst, an das er die Bewerbung schrieb. Hartung gab Tipps beim Bewerbungsschreiben. „Als Bewerber sollte man versuchen, sich in die Rolle des Personalchefs hineinzuversetzen, und wissen, wonach das Unternehmen sucht“, sagt Hartung. Michael T. hat dann „weniger Bewerbungen abgeschickt, wurde aber endlich zu Vorstellungsgesprächen eingeladen“.

Eine neue Anstellung hat Michael T. zwar nicht gefunden, doch dafür wurde er in seiner Firma versetzt und fühlt sich jetzt an seinem Arbeitsplatz wohl. Der 30-Jährige glaubt, dass er das seinem Jobpaten Dieter Hartung zu verdanken hat: „Ich bin ganz anders im Unternehmen aufgetreten, habe meine Standpunkte vertreten, mich für Ideen eingesetzt.“ Hartung sucht jetzt neue Klienten. Für ihn ist sein Ehrenamt mehr als ein Ausgleich zu seiner täglichen Arbeit als Vertriebsmanager. „Ich bekomme auch was zurück“, sagt er. „Es ist für mich eine unglaubliche Freude, wenn mir ein Klient berichtet, dass er einen Job oder einen anderen Arbeitsplatz gefunden hat.“

Arbeitssuchende können auf www.patenmodell.de ein Profil einrichten. Jobpate werden: ebenfalls im Internet oder unter der Telefonnummer 68 08 85 11 anrufen.

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