Berlin : Anpfiff im Hörsaal

Der Schiedsrichter Markus Merk eröffnete das Semester an der Freien Universität

Steffen Hudemann

Es läuft die 70. Minute der rund 90-minütigen Immatrikulationsfeier an der Freien Universität (FU), als Doktor Markus Merk eingewechselt wird. Der Zahnarzt und Fußball-Schiedsrichter aus Kaiserslautern soll an diesem Morgen den Festvortrag halten. „Mit Leistung und Fairplay zur akzeptierten Persönlichkeit“, lautet der Titel seiner Rede. Es ist der Höhepunkt der Veranstaltung. Zuvor hat FU-Präsident Dieter Lenzen die „freshmen and freshwomen“, die Erstsemester, begrüßt. Ein ausgewählter Physikstudent hat von seiner „60-Stunden-Woche“ berichtet und die FU-Studentin Badri Latif ist für ihren Olympiasieg mit dem deutschen Hockey-Nationalteam in Athen mit einer Ehrennadel und einem Kapuzenpulli geehrt worden.

Doch die Studenten sind vor allem wegen Markus Merk gekommen. Er gehört zu den Berühmtheiten unter den Schiedsrichtern, ein Status, den nur wenige erreichen. Denn wenn ein Schiedsrichter gut ist, fällt er kaum auf – und wenn er auffällt, dann meist zum Ärger des Publikums. Im Juli dieses Jahres pfiff Merk das Finale der Europameisterschaft, vor 64000 Fans im Stadion und Hunderten von Millionen am Fernseher, nun soll er rund tausend Studenten erklären, wie sie zur „akzeptierten Persönlichkeit“ werden.

Man müsse den Willen haben, Entscheidungen zu treffen und konstante Leistung zu bringen, sagt Merk. „Leistung, das ist Beharrlichkeit und Belastbarkeit.“ Dennoch müssten die Studenten flexibel sein. „Begehen Sie nicht den Fehler, im Tunnelblick zu verweilen. Suchen Sie den Doppelpass im Leben.“ Er selbst hat sein Studium der Zahnmedizin in Köln nach zehn Semestern beendet, nebenbei pfiff er Spiele in der Zweiten Bundesliga. Heute setzt er sich zusätzlich für soziale Projekte in Indien ein. „Helfen macht Spaß“, sagt Merk.

Die Studenten hören dem Schiedsrichter zu. Die Stimmung ist gut. Der Umzug aus dem Audimax in den großen Hörsaal der Silberlaube hat der Veranstaltung gut getan. Die Zuhörer tragen Rucksäcke mit FU- Logo, ein Geschenk der Uni an die Neuen, in der Mitte des Saals schwenkt jemand einen Schal des 1.FC Kaiserslautern, Merks Heimatverein.

Der Schiedsrichter ist ein geübter Redner. Er spricht frei, ohne Manuskript. Im kommenden Januar will er seine Zahnarztpraxis aufgeben und Vorträge für Führungskräfte halten. Vor Studenten zu reden ist da keine schlechte Übung. Nach 25 Minuten hat Merk seinen Vortrag beendet. Er bläst in eine goldene Pfeife. Das Spiel ist aus, das Semester eröffnet.

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