Berlin : Anrüchig

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VON TAG ZU TAG

Fatina Keilani über ein Berliner Problem, das zum Himmel stinkt

Das hier könnte heikel werden. Man ist ja freiwillig nach Berlin gezogen, gerne sogar, und eigentlich lebt man auch gerne hier. Da will man ja nicht anfangen, die Stadt und ihre Bewohner zu beschimpfen. Doch einiges vollzieht sich hier, das auf den Außenstehenden unfreiwillig komisch wirkt. Vielleicht muss man es aber auch als besonders raffiniertes Beispiel für schlanke Verwaltung begreifen. Dass es zum Beispiel einen Unterschied machen soll, wann ein Hund seinen Haufen auf den Gehsteig setzt. Geschieht das nämlich während der Öffnungszeiten der Behörden, sind nach Berliner Recht diese für die Tretmine zuständig. Das heißt, sie dürfen das Bußgeld für diesen Verstoß gegen das Straßenreinigungsgesetz selbst eintreiben. Nur dass in dieser Zeit ja noch alle Sachbearbeiter in der Behörde sind und keiner auf der Straße. Das minimiert das Aufkommen an Bußgeldverfahren. Nach Feierabend ist dann die Polizei zuständig. Da dies aber bloß eine Art Auffangzuständigkeit ist und ihr der gemeine Hundehaufen meist nicht bedrohlich genug vorkommt, kümmert sie sich bevorzugt um das, was in ihre Erstzuständigkeit fällt. Anrüchiges gibt es schließlich auch dort genug. Jetzt will sich mal wieder eine Arbeitsgruppe mit der Frage befassen, ob die Zuständigkeitsfrage besser geregelt werden kann. Auch das, so unser Eindruck, ist eine beliebte Berliner Beschäftigung. Bloß nicht an der Sache rühren. Lieber überlegen, wie man die Behörden umstrukturieren kann, damit sie künftig besser handeln können. Prinzip: Bevor man irgendwas falsch macht, macht man besser gar nichts.

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