Berlin : Anschlag auf Kosmetiksalon: Motiv offenbar Eifersucht

Werner Schmidt,Cay Dobberke

Das Motiv für den Anschlag auf den Kosmetiksalon "Planet Nails" an der Passauer Straße in Schöneberg ist offenbar Eifersucht. Die Polizei fahndet nach dem Ehemann der Frau, die bei dem Anschlag am Donnerstagabend ums Leben kam. Er soll nach vorliegenden Informationen bereits mehrfach Drohungen gegen seine 36-jährige Frau ausgestoßen haben, die sich von ihm scheiden lassen wollte. Bei der Tat, die sich unweit der Tauentzienstraße und des KaDeWe ereignete, wo viele Menschen ihre Weihnachtseinkäufe erledigten, waren vier weitere Frauen durch die Explosion eines Sprengkörpers verletzt worden. Sie waren gestern alle außer Lebensgefahr.

Zunächst wurde vermutet, bei dem blutigen Attentat könne es sich um einen Anschlag der Russen-Mafia handeln. Aber noch in der Nacht zum Freitag erhärteten sich die Hinweise auf ein Beziehungsdrama. Das Opfer, die 36-jährige Stella K., wollte sich von ihrem Mann scheiden lassen und hatte eine eigene Wohnung an der Ansbacher Straße, nahe dem Kosmetiksalon bezogen. Der Verdacht der Polizei konzentriert sich auf ihren Ehemann, einen 46-jährigen Ukrainer.

In der Nacht wurde seine Wohnung am Winterfeldtplatz vergeblich durchsucht. Der Mann hielt sich dort nicht auf und ist verschwunden. Er soll früher in seiner Heimat Polizist gewesen sein. Ermittler vermuten, dass er daher Kenntnisse über Sprengstoffe und Bomben haben könnte.

Der dunkel gekleidete und maskierte Täter war gegen 18.30 Uhr in das Kosmetikstudio gestürmt und hatte nach ersten internen Polizeiangaben etwas "Unverständliches in gebrochenem Deutsch" gerufen. Zeugen zufolge soll er Geld verlangt haben. Aber ohne in Richtung Kasse zu gehen, schoss der Täter sofort drei bis fünf Mal auf die 36-jährige Stella K.. Bevor der Täter floh, zündete er einen Sprengsatz. Durch die Explosion wurden vier weitere anwesende Frauen, Angestellte und Kundinnen im Alter von 28 bis 43 Jahren, verletzt. Darunter ist eine Deutsche, die drei anderen Frauen stammen aus Odessa in der Ukraine und aus Moskau.

Über die Art des Sprengkörpers herrschte gestern noch Unklarheit. Die Sprengstoffexperten der Polizei waren gestern noch mit der Untersuchung des Tatortes beschäftigt. Allerdings wurde nicht ausgeschlossen, dass der Täter tatsächlich eine Handgranate gezündet haben könnte. Dagegen spricht, dass die Fenster des Kosmetiksalons unbeschädigt blieben. Bei der Splitterwirkung, die eine Handgranate normalerweise entfaltet, wären vermutlich auch die Scheiben zu Bruch gegangen.

Polizei und Staatsanwaltschaft hielten sich gestern mit Einzelheiten zu diesem Fall noch zurück. Die Justiz beschränkte sich neben einer kurzen Schilderung des Tatablaufs auf die Auskunft, dass noch immer "in alle Richtungen ermittelt" werde, und es weder Hinweise gebe, die auf eine Tat der Russen-Mafia schließen lasse noch dass ein Zusammenhang mit dem Anschlag in einem Düsseldorfer S-Bahnhof vom Juli bestehe. Damals war vermutlich auch eine Handgranate verwendet worden. Die Opfer stammten ebenfalls vorwiegend aus dem osteuropäischen Raum.

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