Anschlag auf Tatlises : Ein Sänger auf den Barrikaden

Ibo las den Berliner Angstmachern die Leviten – meint die Hürriyet.

Suzan Gülfirat

Freitagabend wimmelte es im Tempodrom nur so von türkischen Journalisten, Fotografen und Kameraleuten. Sicherlich ist Volkssänger Ibrahim Tatlises, genannt Ibo, ein Superstar in der Türkei. Aber nach dem Anschlag auf sein Konzert in Hamburg vor knapp drei Wochen war das Medieninteresse an dem Auftritt in Berlin besonders groß. Am Sonntag waren dann aber lediglich zwei bebilderte Berichte in der Hürriyet und der Milliyet. Glücklicherweise ist ja nichts passiert, außer dass der Sänger angesichts der vielen leeren Sitze, auf die er von der Bühne aus blickte, eine Rede hielt. „Tatlises ging auf die Barrikaden“, schrieb die Tageszeitung Milliyet in ihrer Überschrift. In den Unterzeilen hieß es: „Er machte denen, die im Vorfeld vor Anschlägen gewarnt hatten, Vorwürfe. 'Tatlises gibt es seit dreißig Jahren, und ihn wird es auch noch in den nächsten dreißig Jahren geben', sagte er.“ Dazu zeigte Milliyet eine besonders leere Ecke in der Arena des Tempodroms. In den Bildunterzeilen erwähnte die Zeitung die Warnung der US-Botschaft in Deutschland. „Im Vorfeld des Tatlises-Konzertes hatte die US-Botschaft ihre Staatsbürger vor einem möglichen Anschlag gewarnt. Die vielen leeren Sitze in dem Saal fielen ins Auge.“

„Ibo hat in Berlin denen, die die Bevölkerung ängstigen, die Leviten gelesen“, schrieb die Hürriyet. Dazu druckte die Zeitung einen Auszug aus der Rede Tatlises ab. „Wer mit mir eine Rechnung zu begleichen hat, soll zu mir kommen. Es ist keine Heldentat, an Orten, an denen Kinder, alte und junge Leute Musik hören möchten, Bomben zu legen oder ihnen Angst einzujagen. Ich stehe euch (den Angstmachern) jederzeit zur Verfügung. Hauptsache, ihr lasst diese Menschen in Ruhe.“

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