Berlin : Anschluss verpasst

SPD und CDU kämpfen für den Fernbahnhof Zoo Das war nicht immer so, halten ihnen die Grünen vor

Im Streit um die künftige Anbindung des Bahnhofs Zoo hat der grüne Europa-Abgeordnete Michael Cramer Politikern von CDU und SPD Scheinheiligkeit vorgeworfen. Die beiden Parteien hätten während der großen Koalition Anfang der 90er Jahre selbst dazu beigetragen, Bahnhof Zoo und Ostbahnhof vom Fernbahnnetz abzukoppeln. Diejenigen, „die jetzt Krokodilstränen weinen“, hätten es in der Hand gehabt, beide Stationen zu stärken, sagte Cramer dem Tagesspiegel.

Dem neuen CDU-Landeschef Ingo Schmitt wirft der Berliner Europaparlamentarier „ein schlechtes Gedächtnis“ vor. Schmitt, der heute für den Fernbahnhalt am Zoo kämpfe, habe damals selbst dem so genannten Pilzkonzept zugestimmt.

Dies sieht vor, dass der Hauptbahnhof der zentrale Knoten für Fern-, Regional- und S-Bahnen ist. Christdemokrat Schmitt war seinerzeit Verkehrs-Staatssekretär unter dem damaligen Senator Herwig Haase und dem Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen (beide CDU). Auch die SPD mit ihrem früheren Fraktionschef Ditmar Staffelt hatte die Pläne 1992 befürwortet.

Dabei ist laut Cramer „schon damals klar gewesen, dass mit dem Pilzkonzept Zoo und Ostbahnhof abgekoppelt werden“. Den Fernverkehr auf den Nord- Süd-Tunnel und damit auf den Hauptbahnhof und den Bahnhof Papestraße zu konzentrieren, entspreche dem Wunschdenken der Bahn, die schnellsten Verbindungen zu bieten. Die Grünen hätten schon damals darauf hingewiesen, dass sich die Reisezeit der Fahrgäste um bis zu 30 Minuten verlängern werde.

Das Pilzkonzept sei vergleichbar mit der Vorstellung, dass man in Wanne-Eickel einen Zentralbahnhof baut und dafür die Hauptbahnhöfe in Essen, Dortmund und Bochum vom ICE-Fernverkehr abkoppelt, sagte Cramer. „Über diesen Vergleich haben Schmitt, Diepgen und Staffelt damals gelacht.“ CDU und SPD hätten nach dem Mauerfall von einem europäischen Bahndrehkreuz in Berlin geträumt. Tatsächlich sei die Stadt aber für 95 Prozent der Reisenden Start- oder Endpunkt.

Mit ihrem alternativen, dezentralen Ringkonzept unter Einbeziehung auch des Südrings hatten sich die Grünen zu Beginn der 90er Jahre nicht durchsetzen können. „Statt Zentralbahnhof und vier Gleise im Nord-Süd-Tunnel milliardenschwer zu bauen, hätten für 20 Millionen D-Mark die Bahnsteige am Bahnhof Zoo verlängert werden können“, sagt Cramer. „Dort ist zudem auch schon die Anbindung an den Nahverkehr vorhanden, für die am Lehrter Bahnhof – wie von uns prognostiziert – heute das Geld fehlt.“ Auch der Flughafen Schönefeld ließe sich laut Cramer besser über Stadtbahn und Außenring anbinden als über den Nord-Süd-Tunnel und die für 100 Millionen Euro zu bauende Mahlower Kurve.

Ingo Schmitt weist die Vorwürfe zurück. Das von den Grünen vorgeschlagene System der Kopfbahnhöfe sei nicht mehr zeitgerecht, sagte der CDU-Landeschef. Klare Absprache mit der Bahn wäre es seinerzeit aber gewesen, dass beim Pilzkonzept jeweils ein Teil des Fernverkehrs durch den Tunnel und über die Stadtbahn rollt. Schon deshalb sei eine dezentrale Struktur mit den Bahnhöfen Gesundbrunnen, Zoo, Papestraße und Ost sowie dem Lehrter Bahnhof in der Mitte vorgesehen worden. Diesen habe man damals bewusst nicht Hauptbahnhof genannt, um deutlich zu machen, „dass Berlin mehrere Hauptbahnhöfe hat“.

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