Berlin : Anschutz drückt aufs Tempo

Amerikanischer Investor will schon 2007 mit Riesenrad-Bau beginnen Beim Konkurrenzprojekt steht der Abschluss des Kaufvertrages kurz bevor

Matthias Oloew

Im Wettlauf um den Bau eines Riesenrads in Berlin erhöht die Anschutz Entertainment Group den Druck. Am Dienstag stellte Projektentwickler Kevin Murphy neben den Plänen auch einen ehrgeizigen Zeitplan vor. Im April 2007 will er das Baurecht haben und damit schneller als die Konkurrenten sein, die ähnliche Pläne am Zoologischen Garten verfolgen. „Ich hoffe auf die Zusage des Regierenden Bürgermeisters“, sagte Murphy am Dienstag, „dass derjenige den Zuschlag bekommt, der am schnellsten ist.“

Senat und die Stadtentwicklungsverwaltung vermeiden es, sich auf einen Standort festzulegen. Stattdessen lassen sie beide Investoren ihre Pläne vorantreiben. Planungsrechtlich könnte die Stadtentwicklungsverwaltung von Senatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) den für die Baugenehmigungen zuständigen Bezirksämtern die Verfahren entziehen und dies mit gesamtstädtischem Interesse begründen. Sie tut es aber nicht. „Beide Standorte haben ihre Vorteile“, sagte Sprecherin Manuela Damianakis.

Anschutz-Projektentwickler Kevin Murphy ist der festen Überzeugung, er habe die Nase vorn. Seine Konkurrenten am Zoo müssten das Grundstück noch kaufen und dann könne erst das Genehmigungsverfahren angeschoben werden. Das habe Anschutz schon vor zwei Wochen getan. Murphy: „Bis das Rad am Zoo steht, wird es deutlich länger dauern als bei uns.“ Er will im November 2008 die erste Fahrt im Riesenrad machen.

Nun ist es aber nicht so, dass am Standort Zoo die Investoren untätig sind. „Der Kaufvertrag steht kurz davor, unterzeichnet zu werden“, sagte Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD). Er habe keine Gründe, an der Bonität des Investors zu zweifeln. Einen Zusammenhang zwischen Verkauf des Grundstücks durch das Land und damit auch einem Bekenntnis des Senats zum Standort Zoo will seine Verwaltung nicht konstruieren. So wäre es möglich, dass Berlin das Grundstück verkauft – sogar mit der Vertragsklausel, ein Riesenrad zu errichten –, aber dass schließlich Anschutz mit dem Standort Ostbahnhof das Rennen macht.

Für die Stadtentwicklungsverwaltung ist das kein Problem, sie will sich aber jetzt nicht auf einen Standort festlegen. Irgendwann wird sie dies aber tun müssen, denn die erklärte Absicht der Stadtentwicklungssenatorin ist: „Es kann nur eines geben.“ Stattdessen hat ihre Verwaltung einen Kriterienkatalog erarbeitet, der in den nächsten Tagen den zuständigen Bezirksämtern zugehen soll. „Darin sind alle Punkte aufgelistet, die es zu prüfen und zu bewerten gilt“, sagte Sprecherin Damianakis. So will die Behörde Wettbewerbsgleichheit zwischen den Konkurrenten garantieren.

Anschutz argumentiert, ohne das Riesenrad ließe sich das gesamte Areal zwischen Ostbahnhof und Warschauer Brücke viel schwerer entwickeln. Außerdem plant Anschutz ein Theater mit 4000 Plätzen, ein Casino, ein Mauer- und ein Currywurst-Museum.

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