Ansteckungsgefahr : Senat befürchtet weitere Infektionen mit Noroviren

Tausende Berliner hatten die Durchfallerkrankung bereits. In Brandenburg und Thüringen wurden Kliniken für Besucher geschlossen.

Hannes Heine

Mehr als 12 000 Menschen haben sich bisher in Berlin allein nach offizieller Zählung mit dem Norovirus infiziert – und die Senatsgesundheitsverwaltung warnt weiterhin vor dem Krankheitserreger. Die stärkste Welle der Durchfallerkrankung der vergangenen Jahre sei noch nicht überstanden. „Die Infektionssaison hält an“, sagte Berlins Seuchenreferentin Marlen Suckau. Die Senatsgesundheitsverwaltung rechnet noch immer mit mehreren hundert Infektionsmeldungen pro Woche, so viele gab es seit Jahren nicht. Wie das Robert Koch-Institut mitteilte, werden überdies nur etwa zehn Prozent der Fälle gemeldet.

Während es in diesen Herbst- und Wintermonaten bundesweit neun Todesfälle gab, ist in Berlin in den vergangenen Wochen noch niemand gestorben. Gerade bei schwachen und älteren Menschen kann die Infektionen mit dem Virus jedoch tödlich enden. Noroviren sind die häufigsten Erreger einer schweren Magen-Darm-Grippe, die nach einem heftigen Verlauf nach wenigen Tagen wieder abklingt. Bei der Erkrankung kommt es in wenigen Stunden zu starkem Durchfall und Erbrechen.

Mit dem Virus kann man sich schnell infizieren. Schon zehn einzelne Noroviren reichen dazu aus, bei einer Salmonellenerkrankung zum Beispiel liegt die Infektionsdosis dagegen bei einer Million Keime. Ein wirksames Medikament gibt es nicht. Durch regelmäßiges Händewaschen und die Säuberung von Toiletten, Waschbecken und Türklinken mit speziellen Desinfektionsmitteln lasse sich die Gefahr einer Ansteckung lediglich verringern. „Erschwerend kommt hinzu, dass sich die Noroviren genetisch verändern“, sagt Suckau. Sie seien „damit aggressiver“ geworden.

Noroviren verbreiten sich vor allem in Gemeinschaftseinrichtungen wie Kindergärten, Altenheimen oder Krankenhäusern. Laut Gesundheitsverwaltung stehen in Berlin mehrere Abteilungen von Heimen derzeit unter Quarantäne.

Auch in Brandenburg hatte die Zahl schwerer Magen-Darm-Infektionen durch Noroviren laut Techniker Krankenkasse einen neuen Höchststand erreicht. Im gesamten vergangenen Jahr seien fast 12 000 Menschen erkrankt – dreimal so viele wie 2006. Das Krankenhaus Spremberg hatte wegen des Virus’ seit dem vergangenen Samstag für Besucher geschlossen. „Ab heute öffnen wir die Türen wieder, nur einige Stationen bleiben unter Quarantäne“, hieß es. Auch im thüringischen Sondershausen hat am Dienstag eine Klinik eine Besuchersperre verhängt. Hannes Heine

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