Berlin : Anstellen zum Abheben

Ob Bühne oder Studio – viele träumen von einer Karriere im Scheinwerferlicht: Zum Beispiel bei der Artistikshow De La Guarda oder beim Musiksender MTV

Ariane Bemmer

Das erste Plakat, das Carla Elliott von De La Guarda gesehen hat, gefiel ihr so gut, dass sie es abgerissen und in ihre Küche gehängt hat. Das war in London vor vier Jahren.

Heute in Berlin hängen wieder Plakate der Musik- und Artistikshow. Sie sind gelb- schwarz. Die Show ist angelaufen in der Stadt .Die Show, die vom Himmel fällt, heißt es in der Werbung – und die sucht Leute, die mitfliegen: Artisten, Tänzer, Musiker. Am Sonntagmorgen in Halle 25, Pankowpark, war „Open Audition“, das heißt: Jeder kann kommen. Carla Elliott leitet das Casting, steht meist abseits, die Arme in der grünen Trainingsjacke verschränkt und guckt. Man muss die Leute „performen“ sehen, um zu wissen, ob sie zur Show passen, sagt sie.

Marie Jhuana vielleicht? Sie ist 25 Jahre alt und trägt zum Künstlernamen einen kleinen weißen Hund auf dem Arm, der Manfred heißt. Marie war von 1992 bis 1996 auf der Artistenschule und tritt zur Zeit bei „Piraten“ im Variete Chamäleon auf. Sie hat die Show nicht gesehen, aber Gutes gehört. Sie kann Trapez und Seiltanz. Oder der Installateur, der seinen Namen nicht nennt, weil er krankgeschrieben ist. Er hat die Show gesehen, toll, und hat gleich gefragt, ob er mitmachen kann. „So aus dem Bauch raus“, sagt er. Da hat man ihm das mit dem Casting gesagt.

Am Sonntag haben die Bewerber nur Lebenslauf und Foto abgegeben und einen neuen Termin erhalten. In der kleinen rot beleuchteten Bar, die sich in der riesigen Halle wie ein Fremdkörper in die Ecke drängt.

Olaf Taube soll Mittwoch wiederkommen. Dann ist Probe für die Musiker. Olaf Taube ist 31 Jahre alt, klassischer Schlagzeuger, hat fünf Jahre an der Musikhochschule Hanns Eisler studiert und auch schon Performances gemacht. Er hat die Anzeigen in der Zeitung gesehen und keine Vorstellung davon, was das ist: De La Guarda. Aber geht überall hin, wo Jobs angeboten werden. „So ist das als Freiberufler“, sagt er. Mal da, mal dort.

In der Annonce stand, dass De La Guarda „charismatic, energetic and athletic“ Leute sucht. Olaf Tauber sagt, dass er nicht weiß, wann und wo er auftreten würde, falls sie ihn nehmen. Das gebe sowieso Probleme, er habe ja schon Engagement und Verträge fürs nächste Jahr. Marie Jhuana hat 2003 auch Engagements. Aber irgendwie kriegt man das schon hin. So, wie sie es hinkriegt, am heutigen Montag um 8.30 Uhr noch mal zum Pankowpark zu kommen. Fürs Stompen, also Vorstampfen. Fliegen, also an Seilen durch die Halle schweben, ist Dienstag dran.

Carla Elliott hat für De La Guarda alles zurück gelassen, als sie vor vier Jahren genommen wurde. Und sie bekommt immer noch blitzende Augen, wenn sie von der Show spricht: Es sei ein Wunder, sagt sie, wenn die Musik losgeht, dann sei sie voll da. Egal, was vorher war.

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