Berlin : Antenne für den Löwen

Der Zoo und die Technische Fachhochschule entwickeln ein neues Besucherleitsystem

Nana Heymann

Besser wäre es natürlich schon, wenn die Hinweistafeln im Zoo den Besuchern in möglichst vielen Sprachen erklären würden, welche Tiere durch die Gehege schleichen. Die Sache hat allerdings einen Haken, und den formuliert Gerald Uhlich vom Zoo-Vorstand so: „Bei einer herkömmlichen Beschilderung würde man die Tiere gar nicht mehr sehen.“ Warum? Weil von den gut 2,3 Millionen Gästen, die jährlich den Zoo und das Aquarium besuchen, etwa 38 Prozent aus dem Ausland kommen. Und 16 verschiedene Sprachen sprechen.

Deshalb will der Zoo nun mit der Technischen Fachhochschule Berlin (TFH) zusammenarbeiten. Mit Hilfe von Studenten soll unter anderem ein neues funkgesteuertes Besucherleitsystem entwickelt werden. Gerald Uhlich stellt sich das in etwa so vor: Schon zu Hause soll sich der Besucher im Internet auf seinen Rundgang durch die Gehege und Tierhäuser vorbereiten, die von ihm zusammengestellten Basisinformationen auf ein Handy oder einen MP3-Player runterladen und diese vor Ort an speziell errichteten Info-Säulen, sogenannten Daten-Tankstellen, abrufen können. „Im Idealfall wird der Löwe nicht mehr nur durch die Savanne oder das Gehege schleichen, sondern auch durch das Netz“, sagt TFH-Präsident Reinhard Thümer bei der Unterzeichnung des Kooperationsvertrags am Montag.

Aber nicht nur den Besucherservice soll das Projekt „Besucherfreundlich Artgerecht Effizient Regenerativ“, kurz: Baer, verbessern. Auch die klimatischen Bedingungen in den Gehegen sowie die Bepflanzung entlang der Wege sollen die Studenten mit Hilfe ihrer Dozenten überarbeiten. Ersteres zum Beispiel im Antilopengehege. Durch eine Veränderung der Luftströme könne etwa der Ammoniakgehalt in der Luft besser reguliert werden, erklärt Projektleiterin Katja Biek-Czarny vom TFH-Fachbereich Architektur und Gebäudetechnik. Dann bräuchten die Giraffen und Antilopen nicht mehr im Dunst ihrer eigenen Exkremente zu stehen. Und die Besucher auch nicht.

Erste wissenschaftliche Vorbereitungen für dieses Teilprojekt laufen bereits, mit der Umsetzung können die Studenten voraussichtlich in zwei Monaten beginnen, sagt Biek-Czarny. Geplant ist, dass jeweils 20 Fachhochschüler eine Gruppe bilden, mehr nicht. Damit die Tiere bei den nötigen Vermessungsarbeiten nicht zu sehr beunruhigt werden.

Gut 4,5 Millionen Euro stehen für das Projekt zur Verfügung. Eine Hälfte der Summe wird von der TFH aufgebracht, die andere steuert die EU bei. Zwei Jahre haben Zoo und TFH für die Umsetzung veranschlagt. Sollte die Zusammenarbeit erfolgreich sein, wäre eine Verlängerung denkbar, so TFH-Präsident Reinhard Thümer. Begrüßen täte er das allemal: „Es ist gut, wenn Studenten anhand der Praxis lernen.“

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