Berlin : Anthrax im Brutschrank

Ingo Bach

Milzbrand-Erreger gab und gibt es auch in veterinärmedizinischen Laboratorien in Berlin, wo man sie zu Ausbildungs- und Forschungszwecken einsetzt. Denn als eigentliche Tierseuche gehöre Anthrax quasi "zur Grundausbildung durch jedes mikrobiologische Institut einer tiermedizinischen Fakultät", so Helmut Hahn, Mikrobiologe am Universitätsklinikum Benjamin Franklin. Es sei nicht einmal schwer, die Bakterien zu vermehren, sagt Hahn. Ein bisschen Nährlösung und ein Brutschrank reichten aus. Viel schwieriger sei es, sie in eine für den Menschen gefährliche Form zu bringen und zu verbreiten. Die Erreger aus dem Labor seien nicht sehr infektiös. "Da muss man schon eine große Menge anfassen oder einatmen."

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Stichwort: Milzbrand
Hintergrund: Seuchenexperten
Web-Link: Robert-Koch-Institut Besonders bedrohlich für Menschen ist der Lungenmilzbrand, der enstehen kann, wenn man die Erreger einatmet. "Dazu benötigt man ein sehr feines Trägerpulver", sagt Lothar Wieler, Direktor des Institutes für Mikrobiologie und Tierseuchen an der Freien Universität. Er widerspricht seinem Kollegen Hahn: "Wir haben keine Milzbranderreger - leider." Denn um Milzbrand nachweisen zu können, benötigten die Forscher Referenzmaterial, an dem sich das Testergebnis überprüfen lässt.

Derzeit ist unklar, wie viele Institute in Berlin Milzbrandstämme haben. Eigentlich benötigt man für den Umgang mit dem Erreger eine Erlaubnis. Eine solche besitzen nur das Robert-Koch-Institut und das Institut für Lebensmittel, Arzneimittel und Tierseuchen (Ilat). Ob andere vielleicht ohne Erlaubnis mit dem Erreger arbeiten, wird derzeit untersucht.

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