Anti-Atom-Bewegung : Gegen die Ohnmacht hilft Protestieren

Seit Tagen sind in Japan mehrere Reaktoren außer Kontrolle und es ist nicht absehbar, welche Ausmaße die Katastrophe noch haben wird. In Deutschland wachsen bei den Menschen derweil Angst und Zorn – der sie auf die Straße treibt.

Jana Demnitz
Anti-Atom-Bewegung: In 400 Deutschen Städten hatte ein Bündnis von Atomgegnern am Montag zur Demonstration und Mahnwache aufgerufen. In Berlin versammelten sich mehr als tausend Menschen vor dem Bundeskanzleramt.Weitere Bilder anzeigen
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15.03.2011 13:12Anti-Atom-Bewegung: In 400 Deutschen Städten hatte ein Bündnis von Atomgegnern am Montag zur Demonstration und Mahnwache...

„Abschalten! Abschalten! Abschalten!“ Es ist gegen 18.30 Uhr als hunderte Demo-Teilnehmer lauthals die klare Ansage Richtung Bundeskanzleramt, Richtung Regierung, Richtung Kanzlerin Angela Merkel schreien. „Danke! Besser hätte ich unsere Forderung auch nicht auf den Punkt bringen können“, ruft ein Mitorganisator der Mahnwache und der Anti-Atom-Demonstration in das Mikrofon. Wegen der aktuellen Anlässe in Japan hat das deutsche Anti-Atombündnis  innerhalb weniger Stunden in 400 deutschen Städten die Menschen aufgerufen, ihre Solidarität mit Japan zu zeigen und gegen die Atompolitik der Schwarz-Gelben Bundesregierung zu protestieren. Allein in Berlin kommen mehr als tausend Menschen zusammen.

Seit Monaten läuft der Kampf der Atomgegner wieder auf Hochtouren. Schon am Wochenende protestierten in Neckarwestheim in Baden-Württemberg nach Angaben des Veranstalters 60.000 Menschen gegen den zweitältesten deutschen Atommeiler. Der Ausstieg aus dem Ausstieg mobilisiert Bürger.

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Anti-Atom-Bewegung: In 400 Deutschen Städten hatte ein Bündnis von Atomgegnern am Montag zur Demonstration und Mahnwache aufgerufen. In Berlin versammelten sich mehr als tausend Menschen vor dem Bundeskanzleramt.
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Direkt vor Angela Merkels Büro pfeifen, trommeln und schreien die Menschen ihre Wut und Ängste gegen die ihrer Meinung nach unverantwortliche Atompolitik der Regierung heraus. „Ich glaube, nach Tschernobyl müsste man eigentlich etwas gelernt haben, aber man hat nichts gelernt“, empört sich ein Teilnehmer der Demo. Auch die völlig unerwartete Ankündigung der Kanzlerin am frühen Nachmittag, für drei Monate die Laufzeitverlängerung von Atommeilern auszusetzen, beruhigt die Menschen nicht. „Das ist doch nur Wahlkampfgetöse“, sagt eine Frau.

Auch die Oppositionsparteien sind schnell zum Kanzleramt geeilt. SPD, Grüne und Linke – alle fordern nach den aktuellen Ereignissen in Japan eine sofortige Rückkehr zum einst beschlossenen Atomausstieg.  „Merkel will nicht Aussetzen sondern Aussitzen. Sie will Zeit gewinnen und ablenken. Wenn sie es im Ansatz ernst meint mit dem Moratorium, muss sie sofort Neckarwestheim, Biblis A, Krümmel und Brunsbüttel abschalten. Dann wäre sie ein bisschen Glaubwürdig“, sagt Grünen-Vorsitzende Claudia Roth.

Die Menschen – jung, alt, Schüler, Studenten, Familien, neue Atomgegner, alte Atomaktivisten – protestieren unterdessen munter weiter. Sie bilden eine Menschenkette um das Bundeskanzleramt  und rufen immer noch: „Abschalten!“

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