Anti-Moschee-Demo : Hatz in Heinersdorf

Nach einer Anti-Moschee-Demo ist es zu einer Prügelei gekommen. Nach der Kundgebung wurden Gegendemonstranten eingekreist, bedroht und geschlagen.

Sie waren angeblich friedliche Demonstranten, die sich gerade auf den Heimweg machen wollten. Sie hätten sich in einer Gruppe von etwa 20 Leuten befunden, die sich plötzlich schneller bewegt habe. „Man ist da einfach mitgerannt“, sagte einer der sechs Angeklagten. So ähnlich klang es in weiteren Aussagen der sechs Männer im Alter von 23 bis 41 Jahren, die sich seit gestern als mutmaßliche rechte Schläger vor einem Schöffengericht verantworten müssen.

Es geht um einen Angriff nach einer Kundgebung gegen den Bau der Ahmadiyya-Moschee im Pankower Ortsteil Heinersdorf. Die sechs Angeklagten befanden sich unter den etwa 600 Demonstranten. Wie bereits bei früheren Protesten hatte sich linke Gegendemonstranten eingefunden. „Die erkannten uns als Linke und gingen sofort auf uns los“, schilderte ein 18-jähriger Schüler als Nebenkläger die Szene. „Sie bildeten einen Halbkreis um uns.“ Die komplett schwarz gekleideten Angreifer hätten bedrohlich in die Hände geklatscht und gerufen „Antifa, wir kriegen euch“ und „jetzt klatschtst gleich richtig“. Er sei von zwei Personen getreten und geschlagen worden, sagte der 18-Jährige.

Nur einer der Angeklagten zeigte Reue. „Ich habe niemanden aktiv angegriffen“, ließ René T. über seinen Verteidiger erklären. Er trage „Mitverantwortung durch Anwesenheit“. Der 25-jährige entschuldigte sich bei den beiden Jugendlichen, die damals attackiert worden waren.

„Ich lief, ohne den Grund zu kennen“, hieß es in einer Erklärung von Daniel S., einem arbeitslosen Stuckateur aus Pankow. Da seine Kondition nicht so gut gewesen sei, habe er sich im hinteren Teil der Gruppe befunden. An der Berliner Straße habe er dann eine Beobachtung gemacht. „Zu meinem Erstaunen waren einige Leute eingekreist.“ Der 25-Jährige will sofort Abstand genommen haben. „Ich wollte damit nichts zu tun haben.“

Der 23-jährige Diego P. gab zumindest einen Grund fürs Mitlaufen an. Jemand habe gerufen: „Wir wollen dem Staatsschutz mal zeigen, wie schnell wir sind.“ Doch eine Auseinandersetzung sei nicht angekündigt worden. „Ich habe nicht getreten oder geschlagen, auch nicht angefeuert“, erklärte P. über seinen Verteidiger und wies den Vorwurf der gemeinschaftlichen Körperverletzung zurück. Bei zwei der Angeklagten soll es sich um NPD-Funktionäre aus Pankow handeln.

Die Ahmadiyya Muslim Gemeinde will an der Tiniusstraße in Heinersdorf für ihre 250 Mitglieder eine zweistöckige Moschee mit einem zwölf Meter hohen Minarett errichten. Anfang dieses Jahres wurde der Grundstein für den Neubau gelegt. Doch die Gegner, die sich zur „Initiative Pankow-Heinersdorfer Bürger“ zusammengeschlossen haben, gingen weiter auf die Straße. Von der rechtsextremen Szene aber hatten sich die Demo-Veranstalter deutlich distanziert. Der Prozess wird am 30. Oktober fortgesetzt. K.G.

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