Antisemitismus : Jüdische Kita bekommt mehr Polizeischutz

Nach dem Anschlag auf eine jüdische Kita in Charlottenburg wird die Polizeipräsenz verstärkt. Beamte sichern das Objekt künftig auch nachts und an den Wochenenden, kündigte Innensenator Erhart Körting an.

Berlin - Von den Tätern fehlt weiter jede Spur. Die Polizei erhofft sich von möglichen Zeugenaussagen Hinweise, die zur Aufklärung der Tat beitragen. Durch ein eingeschlagenes Fenster der Kita am Spandauer Damm war am Sonntag eine Leuchtfackel in einen Raum geschleudert worden, die jedoch erlosch, ohne größeren Schaden anzurichten. Menschenleben waren nicht in Gefahr, da sich zum Zeitpunkt des Anschlags niemand in dem Gebäude aufhielt. Außerdem wurde die Kita mit antisemitischen Schmierereien verunstaltet. Zeugen, die etwas Verdächtiges beobachtet hätten, könnten sich an jede Polizeidienststelle wenden, sagte ein Polizeisprecher.

Es sei "eigentlich schlimm, dass wir in einer Zeit leben, in der wir jüdische Einrichtungen besonders sichern müssen", sagte Körting (SPD). Er verwies darauf, dass das Objekt zunächst als Provisorium gedacht gewesen sei. Sollte es jetzt dauerhaft genutzt werden, müsse auch über bauliche Sicherheitsmaßnahmen nachgedacht werden.

Beim Absuchen des Geländes rund um die Kita entdeckte die Polizei am Sonntag auch in einer nahe gelegenen, offen zugänglichen Galerie im Ruhwaldpark Hakenkreuzschmierereien. Ob ein Zusammenhang mit dem Anschlag auf die Kindereinrichtung besteht, werde geprüft, sagte der Polizeisprecher. Der polizeiliche Staatsschutz beim Landeskriminalamt (LKA) ermittelt in beiden Fällen.

Polizeigewerkschaft kritisiert Personalmangel

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) kritisierte mit Blick auf die Straftaten den andauernden Personalabbau bei den Sicherheitskräften. Das Entdeckungsrisiko der Täter tendiere gegen Null, sagte Vize-Landeschef Michael Purper. Die Polizei sei mit rund 1200 Objektschützern schon jetzt nicht mehr in der Lage, alle gefährdeten Gebäude in Berlin umfassend zu sichern.

Unterdessen hat das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf den Anschlag verurteilt. Er sei ein Angriff gegen ein friedliches, demokratisches Miteinander unterschiedlicher Religionen und Kulturen und richte sich gegen die ganze Gesellschaft, sagte Jugendstadtrat Reinhard Naumann (SPD). Er appellierte an die Bürger, dem Antisemitismus im Alltag mit persönlicher Courage und aller Entschiedenheit entgegenzutreten. (tso/ddp)

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