Antrag der SPD Berlin-Mitte : Schluss mit dem Ampelmännchen-Patriarchat

Die SPD in Mitte will Ampelfrauen. Die anderen BVV-Fraktionen sind skeptisch – und dennoch dafür. Der Antrag landete gestern erst einmal in den Ausschüssen.

Vinzenz Greiner
Mit Rock und Hut? Über die richtige Gestaltung der Ampelfrau wird noch gestritten.
Mit Rock und Hut? Über die richtige Gestaltung der Ampelfrau wird noch gestritten.Foto: dpa

Modern soll sie sein. Und selbstbewusst auch: die Ampelfrau, die Martina Matischok-Yesilcimenin vorschwebt, wenn sie Gleichstellungs- und Verkehrspolitik zusammen denkt.

Am vergangenen Dienstag hatte die SPD-Fraktionschefin der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Mitte das Bezirksamt mit einem Antrag dazu aufgefordert, sich bei der Berliner Verkehrslenkung dafür einzusetzen, künftig auch Ampelfrauen anzuschrauben – aber nicht mit Rock und Zöpfen, sondern „vielleicht in Hose und Absatzschuhen“, findet Matischok-Yesilcimenin.

Das schwungvoll ausschreitende Ost-Ampelmännchen leuchtet seit Januar 2005 auch an den Ampeln im Westen Berlins. Obwohl nach der Wende eigentlich deutschlandweit die starren West-Männchen zum Zuge kommen sollten.

Aber das ärgerte viele Ostdeutsche – und sie gewannen. Seither sind beide Varianten erlaubt und populär, wie das Gedränge in den Ampelmännchen-Läden zeigt. Außerdem haben Forscher ermittelt, dass die Ost-Männchen besser erkannt werden. Und eine Ampelfrau?

"Nötig, überkommene Traditionen zu überprüfen"

Vielleicht ist ihre Ausstrahlung ja noch besser. Das könnte man in Städten wie Zwickau oder Dresden schon nachprüfen. Dort gibt es bereits beide Geschlechter als Ampelsignale, steht im SPD-Antrag. Es sei für Berlin an der Zeit nachzudenken, wie es sich diesbezüglich aufstellen könne.

Der Antrag hat alle anderen Parteien in der BVV überrascht. So richtig dagegen war aber niemand, weshalb die Bezirksverordneten das Anliegen am gestrigen Donnerstagabend erstmal zur weiteren Diskussion in die zuständigen Ausschüsse überwiesen.

„Es ist nötig, überkommene Traditionen zu überprüfen“, sagt Tobias Kriesel. Der Pirat sitzt im Ausschuss für Gesundheit und Gleichstellung, der neben dem Ausschuss Soziale Stadt den Antrag nun behandeln soll.

Bei den Grünen hatte man sich zunächst amüsiert. „Erst dachte ich: „Hä?!’“, sagt Fraktionssprecherin Franziska Briest. Die Intention sei aber gut.

Ähnlich locker sehen es die Linken: „Wir stimmen zu, auch wenn wir’s albern finden.“

Die CDU sei verhalten, wolle der SPD aber die Chance geben, alles genauer zu erläutern, so Fraktionschef Thorsten Reschke. Er sei zwar kein Linguist, fügt er ironisch hinzu, „aber ist das Ampelmännchen nicht ohnehin sächlich?“

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