• Antriebs- und Ruhepunkt in einem Tagesspiegel-Redaktionsdirektor Gerd Appenzeller wird 60 Jahre alt

Berlin : Antriebs- und Ruhepunkt in einem Tagesspiegel-Redaktionsdirektor Gerd Appenzeller wird 60 Jahre alt

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Was ist ein Redaktionsdirektor? Ist er die gravitätische Mittelpunktsfigur einer Zeitung? Oder der Dompteur des unruhigen, immer zur Eigenwilligkeit neigenden RedaktionsVölkchens? Die Antwort fällt nicht leicht, schon weil diese Position in der Branche rar ist. Sagen wir es also einfach so: Sie ist wie Gerd Appenzeller. Also der Antriebs- und Ruhepunkt des Tagesspiegels in einem. Derjenige in der Führung des Blattes, der dem Chefredakteur den Rücken frei- und das Schwungrad des Redaktionsbetriebs in Gang hält. Einer, der an vielen Strippen zieht, ausgleicht und anschiebt, um im gleichen Atemzug aus seiner Hintergrund-Rolle herauszutreten und das publizistische Ross des Leitartiklers zu reiten – in so gut wie allen Sätteln.

Fast auf den Tag genau vor zehn Jahren ist Appenzeller zum Tagesspiegel gestoßen, aus Konstanz kommend, wo er den Südkurier leitete. Aber die Zeitung gewann als Sprecher der Chefredaktion keinen Badener, sondern einen Berliner, den es an den Bodensee verschlagen hatte. Er brachte aus seinem Elternhaus die familiäre Vertrautheit mit dieser besonderen Ausprägung Berlins mit, die Tagesspiegel heißt. Er wusste, was dieses Blatt für das alte West-Berlin war. Also war ihm auch klar, was das Blatt in dem neuen, von Krisen wie Euphorien geschüttelten Berlin sein konnte. Die verbindlich-unprätentiöse Lebensart, die ihm seine badischen Jahre vermacht haben, kamen ihm und dem Blatt dabei durchaus zupass.

Der erfolgreiche Weg dieser Zeitung durch die vergangenen Jahre verdankt Gerd Appenzeller viel. Dass die Zeitung als einziges Berliner Blatt langsam, aber sicher an Auflage zunahm, dass sie auf herausragenden Positionen brillante Federn gewann und sich auch in der Breite der Redaktion personell erneuerte, dass sie sich wandelte, aber doch ihren Charakter als Stimme Berlins bewahrte – ohne Appenzeller wäre nicht möglich gewesen, was heute der Zeitung ihren Platz in Berlin sichert. Erst recht ist die Arbeit dieser Redaktion in den vergangenen zehn Jahren ohne ihn nicht vorstellbar: nicht ohne sein ruhiges Temperament, nicht ohne seine Fähigkeit zum Ausgleich, aber auch nicht ohne die Ironie – auch Selbstironie –, mit der er von Zeit zu Zeit den Redaktions-Alltag entspannt. An diesem Dienstag wird Gerd Appenzeller sechzig Jahre alt. Rdh.

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