• Anwesenheitspflicht für alle Grundschullehrer bis 13 Uhr Bildungssenator kündigt Neuregelung an. GEW kritisiert „Arbeitszeitverlängerung“

Berlin : Anwesenheitspflicht für alle Grundschullehrer bis 13 Uhr Bildungssenator kündigt Neuregelung an. GEW kritisiert „Arbeitszeitverlängerung“

Susanne Vieth-Entus

Berlins 10 000 Grundschullehrer sollen ab Sommer 2005 zu festen Präsenzzeiten in der Schule verpflichtet werden. Diese Planungen wurden gestern überraschend von Bildungssenator Klaus Böger (SPD) publik gemacht. Anlass ist die flächendeckende Einführung der „verlässlichen Halbtagsgrundschule“. Die Lehrergewerkschaft GEW sieht in der Präsenzpflicht eine „Arbeitszeitverlängerung“. Dies werde einschlagen „wie eine Bombe“, so Tarifexpertin Ilse Schaad.

Böger plant eine Anwesenheitspflicht von etwa 8 bis 13 Uhr. Das deckt sich fast vollständig mit der Öffnungszeit der verlässlichen Grundschulen, die sich von 7.30 bis 13.30 Uhr erstreckt. In der restlichen Zeit wären weiterhin die Erzieherinnen da. Deren Stellen sollten vollständig erhalten werden, unterstrich Böger.

Wie die Lehrer auf die Ankündigung Bögers reagieren werden, ist unklar. Für viele ändert sich nämlich kaum etwas, da sie schon jetzt bis mittags in der Schule sind: Ihre Unterrichtsverpflichtung liegt bei 28 Stunden, sodass sie im Schnitt ohnehin bis 13 Uhr da sind. Allerdings haben viele Grundschullehrerinnen eine Teilzeitstelle. Noch steht nicht fest, wie in diesen Fällen mit den festen Präsenzzeiten verfahren werden soll.

Rückendeckung bekommt Böger für seine Pläne von FU-Bildungsforscher Jörg Ramseger. Er hat seit 1998 im Auftrag der damaligen Schulsenatorin Ingrid Stahmer (SPD) 45 Schulen im Rahmen des Schulversuchs „Verlässliche Halbtagsschule“ wissenschaftlich begleitet. Bei der gestrigen Vorstellung der Ergebnisse sagte Ramseger, ein „deutlicher Pferdefuß“ bei der Einführung des Modells sei, dass sich viele Lehrer schlicht „nicht zuständig“ gefühlt hätten für die Betreuung der Kinder nach Unterrichtsschluss. „Die Denkstruktur der Lehrer in Bezug auf ihre Arbeitszeit ist so, dass sie nach ihrem Unterricht nach Hause gehen“, resümiert Ramseger.

GEW-Vorstandsmitglied Ilse Schaad bezweifelt die Beobachtungen von Ramseger und seinem Team. Das komme ihr „unglaubwürdig“ vor, da viele Lehrer bis weit in den Nachmittag in der Schule seien.

Die Opposition begrüßt die Präsenzzeiten. Der Schritt sei „vernünftig“, meint Mieke Senftleben von der FDP. Auch Gerhard Schmid vom „CDU-Forum Bildung“ sagt, es sei generell nichts gegen Präsenzzeiten einzuwenden. Aber es sei falsch, die Lehrer derart zu „überrumpeln“. Böger hätte die Pädagogen darauf „mental“ vorbereiten müssen, so Schmid. Immerhin gehöre die Betreuung von Kindern nicht zum bisherigen Berufsbild der Lehrer. Noch im letzten Schulgesetz sei nur die Rede von „Unterrichten, Erziehen, Beurteilen“ als Aufgaben des Lehrers gewesen. Was Böger jetzt vorhabe, sei somit ein „Bruch mit der Tradition“. Im neuen Schulgesetz ist dieser „Bruch“ allerdings schon vollzogen. Dort wird das „Betreuen“ ausdrücklich als Aufgabe der Lehrer genannt.

Die GEW hat noch nicht beschlossen, wie sie auf die neue „Zumutung“ reagieren wird. Laut Ilse Schaad hat Böger erst kürzlich im GEW-Landesvorstand zugesagt, dass es keine neuen Arbeitszeitmodelle oder Arbeitszeitverlängerungen geben werde.

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