Berlin : Anwohner befürchten unter anderem die Zerstörung traditioneller Kiezstrukturen

ulg

Ein Baumarkt, ein Reformhaus, ein Buchladen und ein türkisches Bad: So lauten die Anwohnerwünsche für das umstrittene Botag-Center in der Cuvrystraße. Am Montagabend wurden die Ergebnisse eines Bürgergutachtens vorgestellt, das von 78 zufällig ausgewählten Wrangelkiez-Bewohnern in Zusammenarbeit mit der Infrastruktur-Akademie Berlin erstellt worden war. Sie äußerten erneut die Befürchtung, dass durch den auf 4500 Quadratmeter angelegten SB-Supermarkt der traditionelle Einzelhandel im Kiez kaputt gemacht würde. Zudem wurde unter anderem bemängelt, dass die ansässigen Einzelhändler bisher nicht gefragt worden seien, ob sie auch in das neue Einkaufscenter einziehen wollten.

Die Anwohnergruppe Cuvrystraße, die seit etwa eineinhalb Jahren gegen den Bau des Centers protestiert, hatte die BVV-Spitzenkandidaten der Kreuzberger Parteien zur Diskussion eingeladen. Vertreter der Grünen, der Demokratischen Liste und der PDS erneuerten ihre Kritik an der Vorgehensweise des Senats, der dem Bezirk die Zuständigkeit wegen der "außergewöhnlichen städtepolitischen Bedeutung" des Projekts entzogen hatte. "Es ist zynisch, von den Anwohnern Kreativität einzufordern, wenn dem Bezirk keine Gestaltungsmöglichkeit mehr bleibt", sagte der Bündnisgrüne Özcan Mutlu.

Ermutigt fühlen sich die Anwohner dagegen durch eine Entscheidung des Verwaltungsgerichts vor wenigen Wochen, das den Bau eines Einkaufszentrums in der Lichterfelder Curtiusstraße nach Anwohnerklagen, wie berichtet, wegen voraussichtlich "unzumutbaren Lärms" stoppte. "Wir rechnen uns für eine ähnliche Klage gute Chancen aus, da das Cuvry-Center noch größer werden soll und damit auch die Lärmbelastung", sagt Günter Rohleder von der Anwohnerinitiative. Eine Klage ist allerdings erst möglich, wenn die Baugenehmigung für den Investor vorliegt, damit ist gegen Ende des Jahres zu rechnen.

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