Berlin : Anwohner gehen gegen Moschee vor

Baustopp auf Kreuzberger Bolle-Areal – Bezirk hatte Genehmigung erteilt

Lars von Törne

Der umstrittene Neubau einer Moschee am Görlitzer Bahnhof kommt nicht voran. Zu Jahresbeginn hatte der Bezirk wegen großer Risse an einem benachbarten Altbau einen Baustopp gegen das gerade erst begonnene Projekt verhängt. Der wurde inzwischen nach dem Gutachten eines Statikers wieder aufgehoben, wie Baustadtrat Franz Schulz (Grüne) mitteilt. Inzwischen hat allerdings der Miteigentümer des anderen Nachbarhauses eine einstweilige Verfügung gegen den geplanten siebengeschossigen Neubau mit vier Minaretten erwirkt, da auch er Schäden an seinem Gebäude in der Wiener Straße befürchtet.

Erst wenn der Bauherr der Moschee, der Islamische Verein für wohltätige Projekte, nachweisen kann, dass er für mögliche Schäden am Nachbarhaus versichert ist, darf er weiterbauen, verfügte das Gericht. Außerdem muss die Eigentümergemeinschaft zustimmen, dass das Fundament der Nachbarhäuser von den Moschee-Bauherrn durch Betonspritzen stabilisiert wird, damit die Altbauten durch die Baugrube nicht absinken.

Der Stopp ist allerdings nur vorübergehend, sagt Rechtsanwalt Helmut Wienandts, der Eigentümer des Nachbargrundstücks der Moschee. „Sobald der Versicherungsschutz nachgewiesen ist, kann der Bau weitergehen.“ Um das zu klären, hatte Wienandts am vergangenen Freitag die Polizei gerufen, als er bemerkt hatte, dass nach dem einstweiligen Baustopp des Bezirks die Arbeiten wieder aufgenommen worden waren. Vom Bauherrn war bis Redaktionsschluss keine Stellungnahme zu erhalten.

Der Islamische Verein für wohltätige Projekte hatte wiederholt erklärt, die Moschee schnellstmöglich fertig stellen zu wollen. Zehn Millionen Euro will der Verein in den Bau investieren, größtenteils eigenes Geld und Spenden von Kreuzberger Muslimen. Auf dem Areal stand bis 1987 ein „Bolle“-Supermarkt. Er war bei den Mai-Krawallen 1987 angezündet worden. Unter Anwohnern ist umstritten, ob die Gegend, in der es etliche kleinere islamische Bethäuser gibt, noch eine weitere Moschee braucht.

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