Berlin : Anwohner schlagen Krach wegen des Fluglärms

Jörn Hasselmann

Im Auftrag von 20 Anwohnern hat eine Anwaltskanzlei beim Brandenburger Verkehrsministerium beantragt, das Planfeststellungsverfahren für den neuen Großflughafen sofort abzubrechen. Die unter anderem auf Fluglärm spezialisierte Anwaltskanzlei begründet ihren Antrag damit, dass die ausgelegten Unterlagen "unvollständig, fehlerhaft und auf unerträgliche Weise irreführend" seien. Besonders bei der Darstellung des zu erwartenden Fluglärms würden die Anwohner getäuscht. Anders als aus den Unterlagen ersichtlich, seien beispielsweise auch der Köpenicker Ortsteil Müggelheim und Diedersdorf betroffen, sagte Anwalt Lutz Eiding gestern. Er vertritt die Anwohner um den Diedersdorfer Carsten Harms, die nicht nur vier bis sechs Flüge pro Stunde erwarten, sondern sogar bis zu 68. Die Kanzlei Baumann, Krüger und Eiding hat es geschafft, den Ausbau des Flughafens Augsburg für ein Jahr zu blockieren; auch gegen den Bau der 4. Startbahn in Frankfurt (Main) geht die Kanzlei vor.

In einem zweiten Antrag fordern die Anwälte gar, den Antrag der Flughafen Schönefeld GmbH vom Februar dieses Jahres auf Planfeststellung zurückzuweisen. Das Schreiben mit den beiden ausführlich begründeten Anträgen ging gestern um 14 Uhr im Potsdamer Verkehrsministerium ein, bestätigte Sprecherin Ruth Singer. Man werde es an das zuständige Landesamt für Bauen, Verkehr und Straßenwesen weiterleiten. Zu den Erfolgsaussichten sagte sie lediglich, "das gehört zum Instrumentenkasten der Flughafengegner". Die Planfeststellungsunterlagen sind derzeit noch bis Mitte Juni in den flughafennahen Gemeinden ausgelegt.

Die 20 Beschwerdeführer aus Diedersdorf und Müggelheim wehren sich vor allem dagegen, dass sie in den offiziellen Plänen nicht als Betroffene gelten. Genau mit diesem Begehren waren mehrere Gemeinden nahe dem Augsburger Flughafen erfolgreich. Da in den Plänen ein zu hoher Grenzwert für Fluglärm verzeichnet war, galten sie nicht als Betroffene. In diesem Fall setzte sich die Würzburger Kanzlei durch: Die Pläne werden jderzeit erneut für einen Monat ausgelegt, der Grenzwert für Fluglärm wurde darin von 55 auf 52 Dezibel gesenkt. Den Ausbau des Flughafens verzögerte dies um ein Jahr. "Augsburg hat es nicht auf eine Klage ankommen lassen", sagte Eiding gestern.

Kommt der gestern eingereichte Antrag auf Abbruch des Planfeststellungsverfahrens für Schönefeld durch, rechnet Eiding mit mindestens einem halben Jahr Verzögerung für den Großflughafen. Die 20 Beschwerdeführer fühlen sich mit den ausgelegten Unterlagen getäuscht. "Die Unterlagen erwecken den Eindruck, dass es Auswirkungen nur auf einen eng begrenzten Raum gibt", sagte Anwalt Eiding. Aus dem Blickpunkt Diedersdorfs könnte man so zu dem Schluss kommen, dass der Ort überhaupt nicht von den Start und Landungen betroffen sei.

Eidings Resümee: Die Anwohner werden über das tatsächliche Ausmaß des Lärms getäuscht, um sie in Sicherheit zu wiegen. "Keiner kann in den Plänen erkennen, wie laut es in Diedersdorf wirklich wird", ergänzte sein Kollege Wolfgang Baumann. Sie schlugen vor, den Standort Sperenberg 30 Kilometer südlich der Stadtgrenze erneut zu diskutieren.

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