Berlin : Anwohner vom Pariser Platz für Verkehrsberuhigung

Eva Schweitzer

Die Anlieger am Pariser Platz sind tendeziell eher gegen die freie Autofahrt durch das Brandenburger Tor. In einem Brief an den Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen bitten sie darum, dass mit dem von vielen Touristen besuchten Platz pfleglicher umgegangen wird. Dazu gehöre auch, dass das Tor nicht durchfahren wird. Vergangene Woche hatte Staatsekretärin Maria Krautzberger ein Konzept vorgestellt, wonach das Brandenburger Tor für Autos geschlossen werden soll, sobald die Dorotheenstraße wieder geöffnet wird, was heißt, Mitte 2001. Damit wäre auch den Sicherheitsbedürfnissen der Amerikaner Rechnung getragen, die ihre Botschaft am Pariser Platz planen.

Bei der Akademie der Künste, deren neues Haus gerade in Bau ist, gibt es zwar keine abgestimmte Meinung, jedoch wolle die Mehrheit der Abteilung Baukunst, dass der Platz nur für Fußgänger und Radfahrer zur Verfügung stehe. "Wenn Autos durchfahren, das gibt nur Reibereien", sagt Michael Krauss, der sich um den Neubau kümmert. Die Akademie plane ein offenes Haus mit Ausstellungen, einer Cafeteria und einem Buchladen, dafür sei eine Fußgängerzone besser. Jedoch hat die Akademie Probleme mit den Sicherheitsbedürfnissen der US-Botschaft. "Wir wollen auf keinen Fall, dass unsere Besucher kontrolliert werden", sagt Krauss. Auch bei der DG-Bank, zwischen Akademie und US-Botschaft gelegen, möchte man keinen "Checkpoint Charlie II" vor der Haustür. Allerdings kenne man das Sicherheitskonzept der Amerikaner bis heute nicht. Was den Platz anbelangt, wäre eine Verkehrsberuhigung ein Schritt in die richtige Richtung, das müsse jedoch nicht gleichbedeutend mit der Sperrung des Tores sein.

Ähnlich sieht man es beim Hotel Adlon. "Wir haben eine Sommerterrasse mit 65 Plätzen, deswegen würden wir es begrüßen, wenn der Platz verkehrsberuhigt würden", sagte Sprecherin Ulrike Heesch. "Damit kann der Platz in seiner Schönheit nur gewinnen." Die Touristen könnten dann auch besser fotografieren.

"Der Baulärm stört mehr als die Autos", sagt Michael Popp, Sprecher der Europäischen Kommission. Da er Fahrradfahrer sei, fände er einen Fußgängern und Radlern vorbehaltenen Platz besser, aber in der Kommission gebe es keine abgestimmte Meinung. Bei der Dresdner Bank will man das dem Senat überlassen. Die meisten Besucher kämen nicht mit dem Auto, sondern mit der S-Bahn.

Der Bundestag, hingegen, dessen Präsidium über dem "Café Tucher" sitzt, will, dass die Dorotheenstraße gesperrt wird - sie führt zwischen den Bundestags-Büros hindurch. Deshalb könne man schlecht auch für eine Sperrung des Brandenburger Tores argumentieren, hieß es. Das Tor offenhalten will auch Monika Grütters von der Stiftung der Bankgesellschaft. "Für die Touristen wäre es besser ohne Autos, aber wie soll der Ost-West-Verkehr sonst funktionieren?", fragt sie. Erst müsse man sehen, ob die Dorotheen-, die Französische und die Leipziger Straße den Verkehr aufnehmen könnten. Solange das nicht gewährleistet sei, solle das Tor offenbleiben.Dikutieren Sie mit

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