Berlin : Anwohner wollen nicht nur eine Schlafstadt

Bessere Infrastruktur für Rummelsburger Bucht gefordert

Sabine Beikler

Sie sehen aus wie Ufos und heißen „Floating homes“, schwimmende Häuser: Im nächsten Jahr sollen auf der Stralauer Halbinsel die ersten zwei der insgesamt acht Hausboote vor Anker gehen. Direkt gegenüber auf der Lichtenberger Seite der Rummelsburger Bucht wirbt die Wasserstadt GmbH als Entwicklungsträger für Terrassenhäuser. Doch trotz vielfältiger Vermarktungsstratgien schreibt die Rummelsburger Bucht keine schwarzen Zahlen: 88 Millionen Euro steuert sie zum gesamten Schuldenberg der Entwicklungsgebiete (Wasserstadt Oberhavel, Rummelsburger Bucht, Eldenaer Straße, Joachimsthal/Adlershof, Biesdorf-Süd) in Höhe von 670 Millionen Euro bei. Der Senat hat deshalb die Notbremse gezogen und will die Entwicklung der Gebiete schneller als geplant beendet (2006/2007 statt 2010). Was passiert nun mit Projekten wie zum Beispiel Kita-Neubauten, Parkanlagen oder Uferwanderwege in der Rummelsburger Bucht?

„Wir wollten nicht in einer Schlafstadt wohnen“, schimpfte ein Anwohner während einer Anhörung, zu der die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung am Montagabend eingeladen hatte. Besonders auf der Stralauer Halbinsel müsse die Infrastruktur verbessert werden. Außer einem Zeitungs- und Getränkekiosk gibt es keine Einkaufsmöglichkeiten: Viele Anwohner sind auf das Auto angewiesen, doch gibt es zu wenig Stellplätze. „Ich zahle zwölf Jahre lang eine Staffelmiete von 5,60 bis 9 Euro, dazu 85 Euro monatlich für einen Stellplatz im Keller“, ärgert sich Rentner Wolf Napel. „Warum kann man auf den freien Flächen keine Parkmöglichkeiten schaffen?“ Baustadtrat Franz Schulz (Grüne) aus Friedrichshain-Kreuzberg kann sich zwar ein „Stellplatzgelände“ vorstellen, doch Zusagen gab er nicht.

200 Millionen Euro will der Senat noch bis 2006/2007 in die Entwicklungsgebiete pumpen, sagte Wolf Schulgen von der Stadtentwicklungsverwaltung. Er sicherte zu, dass in Stralau der Uferwanderweg, Gehwege, Straßen und ein Sportplatz fertiggestellt werden. Ob es eine Kita auf der Lichtenberger Seite geben wird, steht nicht fest. Ebenso unklar ist die Nutzung der Industriebrache der früheren Glashütte. Weil das Gelände so heruntergekommen ist, fordern die Anwohner eine Begrünung. Das konnten die Senatsvertreter wenigstens zusagen – Begrünungen seien „in der Regel“ auch nicht teuer.

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