Appell von Stadtrat : Neukölln fordert Hilfe im Kampf gegen Drogen

In Neukölln ist das Drogenproblem so groß wie nirgends sonst in der Stadt. Nun appelliert Stadtrat Liecke an die Polizei, gezielter gegen Dealer vorzugehen.

Janosch Siepen
Lebensgefährlich. In Neukölln ist das Berliner Drogenproblem besonders groß.
Lebensgefährlich. In Neukölln ist das Berliner Drogenproblem besonders groß.Foto: picture alliance / dpa

Zum bundesweiten Tag des Gedenkens an Drogentote appelliert Neuköllns stellvertretender Bezirksbürgermeister Falko Liecke (CDU) an die Berliner Polizei, gezielter gegen Dealer zu ermitteln. „Die Orte sind bekannt, doch für mich ist keine Strategie der Polizei erkennbar“, sagt der Gesundheitsstadtrat. Er fordert eine höhere Polizeipräsenz: Aufgabe des Bezirks sei lediglich Suchtprävention und Aufklärung, die Strafverfolgung sei Sache der Polizei. Obwohl der Bezirk regelmäßig Hinweise an die Polizei richte, tue sich wenig. „Ich bitte um mehr Unterstützung in der Sache.“

Die Zahlen sind alarmierend: 153 Menschen sind in Berlin im vergangenen Jahr durch Suchtmittel gestorben, ein Viertel mehr als im Jahr davor. In Neukölln ist das Drogenproblem so groß wie nirgends anders. Jeder fünfte Berliner Drogentote kommt von hier. Diese Zahlen hatte Liecke im Mai bekanntgegeben. Im vergangenen Jahr hat sich die Zahl in dem Bezirk verdoppelt. Vor allem die U-Bahnhöfe, die weiße Siedlung und der Venusplatz seien bekannte Umschlagplätze von harten Drogen. Dennoch würde die Szene dort kaum überwacht.

Die Hasenheide ist kein Einzelfall

Im Volkspark Hasenheide in Neukölln etwa floriert das Geschäft ungeniert zwischen Rentnern, die mit ihrem Hund Gassi gehen, und radelnden Ehepaaren. Die Hasenheide ist im Bezirk kein Einzelfall. An manchen U-Bahnstationen lungern junge Menschen mit schwarzen Ticker-Täschchen herum und warten zwischen gesichtslosen Fassaden und Berufsverkehr auf Kundschaft.

Daniela Staack von der Aids-Hilfe Berlin sieht das Problem weniger in den Umschlagplätzen als in der Betreuung: „Die Substitutionshilfe und das Betreuungsangebot muss verbessert werden. Leute wegzusperren kann man sich sparen.“

Auch Stadtrat Liecke findet, dass die Maßnahmen über reine Strafverfolgung hinausgehen müssen. Im sich gentrifizierenden Neukölln müssten Wohnungen für Menschen mit sucht- und psychiatrischen Erkrankungen in der Planung berücksichtigt werden.

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