Berlin : Appetit aufs Rundleder

Zur WM wird der Capital Club zur Fußball-Lounge Jetzt wurde schon einmal geprobt

Elisabeth Binder

Fußball-Botschafter Reiner Calmund steht zu seinen Pfunden. Wer mit ihm um die Wette isst, hat schon verloren, sieht er ein. Beim Wettessen im Capital Club am Gendarmenmarkt soll also nicht im Akkord gefuttert werden, was angesichts von Delikatessen wie Samtsuppe vom Maine Hummer und Rinderfilet aus dem Barolo Sud auch etwas despektierlich wäre. Vielmehr soll zwischen den Gängen gewettet werden, welche Mannschaften sich im kommenden Monat noch für die Fußball-Weltmeisterschaft qualifizieren können.

Und eigentlich ist der Galaabend vor allem eine Art Vorpremiere. Denn im kommenden Sommer werden diese Räume das Ziel vieler Sehnsüchte sein. Mit kaum verhohlenem Stolz erzählt Vattenfall-Kommunikationschef Johannes Altmeppen , dass sein Unternehmen zwischen dem 9. Juni und dem 9. Juli 2006 den Capital Club exklusiv als VIP- Lounge gebucht hat. Entsprechend strahlend begrüßt der Vorstandsvorsitzende Klaus Rauscher mehr als zwanzig Botschafter und andere Persönlichkeiten zur Einstimmung auf den großen Rundleder-Hype.

Reiner Calmund zeigt zunächst Herz für die Glücklosen, tröstet gestenreich die Vertreter Sambias, Österreichs, Irlands und vor allem Südafrikas. „In vier Jahren seid ihr dabei.“ Was im Falle von Südafrika auf jeden Fall stimmt, weil dort die WM 2010 ausgetragen wird.

Auch der neue brasilianische Botschafter Luiz Felipe de Seixas Correa , frisch eingetroffen aus der Schweiz, ist an diesem Abend dabei und outet sich nicht nur als Soccer-Fan, sondern auch als versierter Kenner deutscher Fußballmannschaften. Er weiß, was für ein Stress auf ihn wartet im kommenden Sommer und spricht ganz offen darüber. So viele brasilianische VIPs, die untergebracht werden und vor allem mit Tickets versorgt werden wollen. Um seine eigenen Tickets macht er sich da erst mal keine Sorgen. Wenn die Mannschaft ins Endspiel kommt, dann wird der Botschafter ja auf jeden Fall dabei sein.

Dass die Brasilianer nicht nur ins Endspiel kommen, sondern am Ende auchWeltmeister werden könnten, hält nicht nur Calmund für wahrscheinlich. Aber vielleicht ist er ja auch nur besonders beseelt, weil er gerade in Brasilien war und von den Schätzen des Landes jenseits muskulöser Sportler-Waden schwärmt: von den Mineralien, dem Gold und den Schönheitschirurgen.

Bei Creme Brulée von der Gänsestopfleber wird darüber gemunkelt, wo die Brasilianer wohl unterkommen werden, und dass jedes Hotel, das sie kriegen könnte, glatt anbauen würde vor lauter Freude über diese Ehre. Da das Spiel aber eben erst nach dem Schlusspfiff gelaufen ist, führt Calmund zwischendurch vorsichtshalber auch mal auf, wer aus seiner Sicht alles für Überraschungen gut ist, die Ukraine zum Beispiel oder Tunesien.

Zu den Geheimfavoriten zählt des weiteren England, vielleicht ist das der Grund, weshalb ein Elton-John-Double im knallroten Anzug sehr schön „Don’t let the sun go down on me“ intoniert. Die Weine kommen an diesem Abend aus Australien, Österreich und den USA. Dazu passt Calmunds Ermahnung im Hinblick auf den grassierenden Ticket-Neid: „Die WM gehört der ganzen Welt.“ Dann wirbt er heftig für Freundlichkeit und Optimismus, dafür „die Mundwinkel hochzuziehen und den Menschen entgegenzugehen“.

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