Aprilscherz : Was ist Witz, was ist Wirklichkeit?

Es ist kein Witz: Der neue Zoochef hat wirklich sein Amt angetreten. Seine Pläne, Nachtgolf zu erlauben oder Tiere to go anzubieten, waren natürlich datumsbedingte Erfindungen - wie andere Meldungen auch.

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Scherzdatum. Immer witzig, dieser 1. April...
Scherzdatum. Immer witzig, dieser 1. April...Foto: Imago

Die Welt wird auch aus humoristischer Sicht immer komplexer. Obwohl der März sich wettertechnisch als Mai ausgegeben hatte, war erst einmal der 1. April zu überstehen. Jener Tag, an dem ausgeschlafene Zeitgenossen schon morgens mit gespannten Lachmuskeln aus dem Bett schnellen, während andere sich erst mal furchtbar über die neuesten Nachrichten aus Frühstücksradio und Zeitung echauffieren, bevor ihr Blick erleichtert auf den Kalender fällt: Alles halb so wild und total lustig. Doch ein Blick auf die Meldungen dieses ach so lustigen Tages zeigt, wie sehr Wahnsinn und Wirklichkeit miteinander verschwimmen.

Es ging ja schon im Tagesspiegel los, wo auf der ersten Berlin-Seite der scheidende Zoodirektor Bernhard Blaszkiewitz unter anderem wissen ließ: „Tierrechte gibt es nicht.“ Daneben stand etwas vom Spaßbad im Tierpark, das Blaszkiewitz total blöd findet. Hier – ja, erst hier! – endete die Wahrheit. Die Verlosung kleinerer Tiere zum Mitnehmen war ebenso frei erfunden wie das Konzept für Nachtgolf zwischen Kojote und Waran. Spätestens beim Hertha-Frosch dürfte klar geworden sein, dass das Quak bzw. Quark war. Die „Berliner Zeitung“ berichtete groß, dass die BVG über ihre App ab Mai Platzreservierungen in einigen Bussen anbiete. Der Scherz sollte spätestens beim Gedanken an den realen Verlauf eines solchen Gesprächs („Würdense mal meinen Platz freijehm, junger Mann?! Ick hab von Kulturforum bis Alex reserviert.“) zutage treten.

Der Neue. Andreas Knieriem ist seit 1. April der Chef in Berlins Zoo und Tierpark.
Der Neue. Andreas Knieriem ist seit 1. April der Chef in Berlins Zoo und Tierpark.Foto: dpa

Dagegen verbreitete die BVG selbst zwei Meldungen, die genaues Hinsehen erforderten: Die neuen Fähren wurden offenbar allen Ernstes „FährBär1“ bis „FährBär4“ getauft und werden damit leben müssen. Denn wenn schon Tiere keine Rechte haben… Ferner meldete die BVG unter der Überschrift: „Schnell unterwegs im Berliner Untergrund“ – nein, nicht etwa einen besseren U-Bahn-Fahrplan, sondern besseren Handyempfang. So rauschen die Smartphones durchs 21. Jahrhundert, während ihre Besitzer in 70er-Jahre-Waggons durch Berlin schaukeln. Leider auch kein Witz.

Der BER soll acht Milliarden kosten

Die „Bild“ wusste, dass der BER mindestens acht Milliarden Euro kosten soll. Zwar sagte Senatssprecher Richard Meng, er „kommentiere nicht jeden Unsinn“. Aber das hat er auch schon zu weniger unsinnigen Dingen gesagt. Und die Aussage des Brandenburger Flughafen-Staatssekretärs, er kenne die Summe nicht, aber er kenne auch nicht jedes interne Papier, klingt schon fast wie eine Bestätigung.

Die „B.Z.“ kündigte auf ihrer Titelseite gleich drei Aprilscherze an, aber wer weiß schon, ob der Klamauk schon bei „Warum ist meine Katze so aufgekratzt?“ anfängt oder erst bei „Forscher züchten Hutze“ (Hund-Katze-Kreuzung)?

BND mit Sonderkennzeichen

Die „taz“ berichtete, dass der BND die Autonummern mit B-ND… einziehen lassen wolle – und verschwieg, ob das BKA ähnliche Pläne hat. Wobei B-KA … auch für „Berlin – keine Angst“ stehen könnte. Denn jetzt ist wieder ein Jahr Ruhe – und die Berichterstattung auf den ganz normalen Wahnsinn beschränkt.

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