Berlin : Arbeit der Polizei: Markierte Reviere

I.B.

Graffiti ist eine ausgesprochene Jugendkultur. Der Großteil der etwa 4000 Berliner Sprayer und ihrer Sympathisanten ist zwischen 14 und 20 Jahre alt. "Das sind gerade mal ein Prozent der Berliner Jugendlichen in diesem Alter", sagt Frank Worm, Chef der gemeinsamen Ermittlungsgruppe "Graffiti in Berlin" von Polizei und Bundesgrenzschutz (GiB). Die etwa 30 Beamte umfassende Einheit jagt seit 1994 den Farbdosen-Künstlern hinterher.

Die Fingerabdrücke der Sprayer sind die so genannten tags. Ebenso wie Einzelsprayer haben auch die Gruppen (in der Szenesprache crew genannt) ihre ganz eigenen verschnörkelten Zeichen, an denen man sie erkennt. Gerade die crews, die bis zu 50 Leute umfassen können, sind für die Jugendlichen oft eine Art Familienersatz.

Zum Thema Ted: Sprayer verpfeifen - soll das belohnt werden?
Meinungen: Pro & Contra Der Ehrgeiz der Sprayer ist es, die tags weithin sichtbar anzubringen und so zu zeigen: Das ist unser Revier. Dafür gehen sie auch hohe Risiken ein. Worm: "Vor einigen Jahren kam ein Sprayer um, weil er beim Malen in großer Höhe abstürzte." Auch die Sprühaktionen an Autobahnbrücken oder Gleisanlagen sind gefährlich.

Graffiti-Sprüher haben einen ausgeklügelten Ehrenkodex: Dazu zählt auch, fremde Graffiti zu respektieren. Wenn es einer wagt, das Werk eines anderen Sprayers zu übermalen - in der Szene heißt das: crossen - dann "kann es richtig Ärger geben", sagt Worm. Gewalttätige Übergriffe seien aber eher die Ausnahme.

Die meisten Sprayer gehen im Schutz der Dunkelheit ihrem bunten Hobby nach. Aber auch am Tage hinterlassen sie ihre "Duftmarken". Deshalb sind die Zivilfahnder der gemeinsamen Ermittlungsgruppe 24 Stunden am Tag im Einsatz. Sie streifen durch die Stadt, um Sprayer auf frischer Tat zu stellen.

Die Polizei hat eine umfangreiche Computer-Datei von 5000 tags aufgebaut, mit deren Hilfe sie genau zuordnen kann, wer wo am Werke war. "Wir machen uns die Eitelkeit der Sprayer bei den Ermittlungen zu Nutze", sagt Worm.

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