Berlin : Arbeiten, arbeiten, arbeiten

Die „Eingliederungshilfe“ bringt Ex-Abhängige ins Erwerbsleben zurück. Der einzige Weg, um clean zu bleiben, sagt der Vereinschef

Volker Eckert

Max Kreier war fast die Hälfte seines Lebens drogenabhängig. Mit Partydrogen fing es an, später Heroin. Immer wieder versuchte er aufzuhören, immer wieder scheiterte er. „Ich war ein hoffnungsloser Fall“, sagt der 39-Jährige von sich. Jetzt macht er seit einigen Monaten ein Praktikum in einem Fitness-Center. Vielleicht wollen sie ihn dort sogar übernehmen.

Das Praktikum gehört zu dem Projekt Transfer. Eins von vielen, das der Verein „Eingliederungshilfe“ am Kreuzberger Oranienplatz anbietet. Hierher kommt Max Kreier seit Mai einmal pro Woche. 25 Kursteilnehmer lernen hier die ersten Schritte ins Arbeitsleben: ein Computergrundkurs, Bewerbungstraining, etwas Mathematik, Gesprächsführung, Wirtschaftskunde. Nebenher sollen sie nach Möglichkeit Arbeitserfahrung sammeln. Entgiftungsplätze, Therapien, Nachsorge – für Menschen im Drogenentzug sei das unersetzlich, sagt Bernd Weinmann von Eingliederungshilfe. „Aber um langfristig clean zu bleiben, ist eines ganz wichtig: Arbeit.“ Der Verein wendet sich aber auch an andere, deren Aussichten auf eine reguläre Festanstellung schlecht sind. Fehlender Schulabschluss, schlechte Deutschkenntnisse, lange Arbeitslosigkeit sind meist die Gründe. Die Weiterbildungen dauern zwischen drei Monaten und zwei Jahren: Bootsbau, Metallverarbeitung, kaufmännische Berufe. Parallel sollen die Teilnehmer in Betrieben arbeiten, um Kontakte zu knüpfen und Berufspraxis zu bekommen. Außerdem wird geholfen bei drohender Wohnungslosigkeit oder sonstigem Streit. Die Betreuung der Menschen ist in der „Eingliederungshilfe“ mindestens genauso wichtig wie ihre Förderung und Ausbildung.

Fördergelder gibt es dafür laut Bernd Weinmann in den vergangenen Jahren immer weniger. Für Investitionen bleibt gar nichts übrig. Der Verein braucht Stühle und Tische für die Unterrichtsräume, Bildschirme und neue Programme für die EDV- Fortbildungen. Außerdem hat Weinmann beobachtet, dass es immer schwieriger wird, die Klientel der „Eingliederungshilfe“ zu vermitteln. Von den Abgängern findet ungefähr jeder Dritte eine Stelle. Für andere ist es schon der unerwartete Erfolg, wenn sie die Fortbildung bis zum Ende durchhalten. Das sind diejenigen, die bisher nur von Sozialhilfe gelebt haben, die gar keine Arbeit kennen. Weil sie kaum Aussichten auf ein Praktikum haben, können sie erstmal in den Werkstätten des Vereins anfangen, im Bootsbau in Köpenick oder in der Metallverarbeitung.

Max Kreier hat vor 20 Jahren schon eine Lehre gemacht. Er will auf jeden Fall wieder arbeiten, zurück ins bürgerliche Leben. Er sieht sich da auf einem guten Weg und macht schon Pläne: Ein Kurs zum Fitnesslehrer ist sein nächstes Ziel.

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