ARBEITEN FÜR FÜNF EURO UND WENIGER : "Besser als Hartz IV“

Die Äußerung von Berlins Finanzsenator Thilo Sarrazin, ein Mindestlohn von fünf Euro würde reichen, sorgt sogar bei seinen Parteigenossen für Unmut. Und was sagen die Berliner dazu? Wir haben uns umgehört.

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Kleine Brötchen backen - ein Mindestlohn-Job -Foto: Kai-Uwe Heinrich

Fünf Euro in der Stunde? Für manche Berliner unvorstellbar, für andere bittere Realität. Wir haben uns umgehört:

Minh Tam Berger, Inhaberin des Kosmetik- und Nagelstudios „Rose Nails“ in Tiergarten, sagt, ihr bleiben zwei bis drei Euro pro Stunde. „Aber ich muss doch etwas tun“, erklärt sie. „Ich möchte nicht zu Hause sitzen und mich langweilen.“

Lena Zimmermann*, Auszubildende in einer Pizzeria, muss sich mit 2,50 Euro begnügen, sagt sie. „Aber für Ausgelernte sind fünf Euro in der Gastronomie nicht ungewöhnlich.“ Auch Verkäuferin Daniela Simon* verdient in der Filiale einer der großen Bäckereiketten kaum mehr als fünf Euro. Ihr Berufskollege Christoph Lenz*, der seinen Stundenlohn auf 4,50 Euro bis fünf Euro schätzt, sagt: „Das ist noch in Ordnung.“

Linh Nguyen*, ungelernte Mitarbeiterin in einem Textilgeschäft, hat monatlich nur 500 Euro, obwohl sie 40 Stunden pro Woche tätig ist. „Mein Mann verdient auch, daher reicht es“, sagt sie.

Auch Blumenhändler Vui Ngo* arbeitet lieber, als von Hartz IV zu leben. „Ich bekomme vier Euro.“ Eine Ausbildung hat er nicht.

Johanna Williams* kommt als Friseurgesellin auf monatlich 600 bis 800 Euro. Das Trinkgeld bringt da nur wenig Verbesserung.

„Für 5 Euro arbeiten? Sofort!“ lacht die junge Frau vom Imbiss-Lieferservice. Sie komme gerade mal auf etwa drei Euro pro Stunde.


„Für fünf Euro arbeitet doch niemand!“, sagt dagegen die Verkäuferin in der Filiale einer Floristikkette.

(*Namen geändert) swa

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