Arbeitgeber-Studie : Berlins Bildung holt langsam auf

Das Berliner Bildungssystem ist bundesweit das schlechteste, behauptet eine arbeitgebernahe Studie. Demnach hapert es vor allem an der beruflichen Bildung. Doch das Wirtschaftsinsitut sieht auch deutliche Verbesserungen, andere Bundesländer sind allerdings schon weiter.

Tilmann Warnecke

Köln/Berlin Eine gute und eine schlechte Nachricht gab es gestern für das Berliner Bildungswesen. Die Gute zuerst: Berlin ist mit seinen Kitas, Schulen und Hochschulen inzwischen etwas besser als Bayern vor fünf Jahren. Die Schlechte: Die anderen Länder haben sich in der Zwischenzeit noch mehr gesteigert als Berlin. Die Hauptstadt rangiert deswegen jetzt am Ende der Länderrangliste. Das ist das Ergebnis des „Bildungsmonitors“ im Auftrag der von den Arbeitgebern finanzierten „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“, die jährlich die Bildungssysteme der Länder vergleicht. Letztes Jahr war Berlin Elfter.

Das beste Bildungssystem hat demnach wieder Sachsen. Bayern, das vor fünf Jahren führte, ist inzwischen auf Platz vier abgerutscht. Da die Abstände ab dem sechstplazierten Bremen „marginal“ seien, könne man Berlin nicht wirklich als Schlusslicht bezeichnen, sondern besser als „Ende des Mittelfelds“, sagte Hans-Peter Klös vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW), als er die Studie vorstellte. Das IW hat die Studie im Auftrag der Arbeitgeber-Initiative erarbeitet. Klös sagte, wie bei allen Ländern sei es auch bei der Hauptstadt beeindruckend zu sehen, wie sich das Bildungswesen entwickelt habe: „Die Bundesländer zeigen erstaunliche Verbesserungen.“

Die Studie untersucht die Länder unter der Frage, inwieweit ihre Bildungssysteme zum Wachstum der Volkswirtschaft beitragen. Für die Rangliste haben die Autoren eine eigene Punkteskala entwickelt, die in der Gesamtschau die Unterschiede verdeutlichen soll. In die Studie fließen 103 Indikatoren ein, die Daten stammen aus den Jahren 2006 und 2007.

Schwach schneidet Berlin vor allem in den Bereichen berufliche Bildung, Integration und Bekämpfung der Bildungsarmut ab, obwohl es auch hier Verbesserungen gibt. So beenden Berliner Auszubildende ihre Lehre seltener erfolgreich als anderswo. Die Studie bemängelt die hohe Zahl an leseschwachen Schülern. Auch sei der Zusammenhang zwischen den Kompetenzen von Schülern und deren sozialer Herkunft stärker als in allen anderen Ländern. Bei diesen Ergebnissen berufen sich die Autoren auf Zahlen aus den Pisa-Studien von 2006 und 2007, die bereits bekannt waren. Auch die Schulqualität, bei der Berlin auf dem 12. Platz landet, beurteilen die Autoren anhand der Pisa-Ergebnisse.

Ganz oben steht Berlin dagegen bei der Betreuung von Kindern und Jugendlichen. „Die Förderinfrastruktur ist exzellent“, loben die Autoren. Der Anteil an Schülern, die auf eine Ganztagsschule gehen, ist deutschlandweit mit am höchsten. Jeder Lehrer unterrichtet eine vergleichbar kleine Gruppe von Schülern. In kaum einem anderen Land bieten sich Eltern so viele Möglichkeiten, Babys und Kleinkinder ganztags betreuen zu lassen. Die Autoren loben auch die Attraktivität der Berliner Unis, die deutlich mehr Studierende aus anderen Ländern anlocken, als umgekehrt Abiturienten abwandern.

Überraschend schlecht steht Berlin laut der Studie bei den Bildungsausgaben da. Der frühere Finanzsenator Thilo Sarrazin hatte immer wieder über die in seinen Augen zu gute finanzielle Ausstattung von Schulen und Hochschulen gelästert. Die Studie kritisiert dagegen, Berlin investiere nach Bremen pro Einwohner am wenigsten in sein Bildungssystem. Allerdings habe Berlin hier innerhalb eines Jahres deutlich zugelegt.

Die Senatsbildungsverwaltung zweifelte die Ergebnisse an. Die Daten seien „veraltet und spiegeln nicht den derzeitigen Stand der Entwicklung wider“, sagte ein Sprecher. Zumal die neue Sekundarschule (siehe Kasten) Schülern bessere Übergänge in die Ausbildung und den Beruf ermöglichen werde.

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