Berlin : Arbeitsamt: Einig nur darin, uneinig zu sein

Im Skandal um falsche Vermittlungszahlen der Arbeitsämter steht Aussage gegen Aussage. Während der Bundesrechnungshof (BRH) im Arbeitsamt Frankfurt/Oder bis zu 70 Prozent nicht korrekt gebuchte Vermittlungen gezählt hat, kommt eine eilends dorthin entsandte Prüfgruppe des Landesarbeitsamtes Berlin-Brandenburg nur auf 8,4 Prozent. Grund für diese unterschiedlichen Ergebnisse sind die jeweils anderen Maßstäbe.

Zum Thema Ted: Sollen Arbeitsämter privatisiert werden?
Für den Pressesprecher des Landesarbeitsamtes, Klaus Pohl, liegt das Problem vor allem darin, dass die Prüfer des Bundesrechnungshofes sich nicht mit den Vermittlern vor Ort unterhalten haben. So sei eine Vielzahl von Fällen als "nicht nachvollziehbar" geführt, die sich nach einem Gespräch mit den Vermittlern sehr wohl erklärt hätten. So habe das Arbeitsamt in Frankfurt auch solche Fälle als erfolgreiche Vermittlung verbucht, die private Vermittler im Auftrag der Behörde übernommen und zum Abschluss gebracht hätten. Auch seien die Arbeitsgenehmigungen für polnische Saisonarbeiter in der Landwirtschaft des Oderbruchs nach einen Runderlass der Bundesanstalt für Arbeit als erfolgreiche Vermittlung zu werten. Trotzdem sind auch nach Einschätzung der Ermittlungsgruppe des Landesarbeitsamtes 8,4 Prozent der Fälle "überhaupt nicht nachvollziehbar" gebucht. Diese werden nun einzeln überprüft. "Wir wollen wissen, was da los ist", sagte Pohl.

Der Bundesrechnungshof bleibt unterdessen dabei, bei seiner Untersuchung "nur die Kriterien der Bundesanstalt für Arbeit zugrunde gelegt zu haben". Der Pressesprecher Joachim Romers: Wir haben geprüft, in welchen Fällen die Tätigkeit des Arbeitsamtes "ursächlich" für die Vermittlung eines Arbeitslosen war. "Bei der Vermittlungsstatistik handelt es sich um eine Erfolgsstatistik und keinen Tätigkeitsbericht", so Romers weiter.

So sind sich beide Seiten nur darin einig, dass unklar ist, "was eigentlich als Vermittlung gezählt werden darf" - und dass die Anweisungen der Bundesanstalt für Arbeit in Nürnberg recht kompliziert und teilweise missverständlich sind.chv

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben