Berlin : Arbeitsamt: In Berlin bis zu 1000 Arbeitslose auf einen Vermittler

Sigrid Kneist

Am Monatsanfang sind die Flure im Arbeitsamt immer voll. Im 5- bis 10 Minuten-Takt fertigen die Arbeitsvermittler dann die Menschen ab, die ihre Arbeit verloren haben und sich nun beim Amt melden. Allein in den sechs Berliner Arbeitsämtern waren dies im vergangenen Monat knapp 34 000 Menschen. Jeder der 530 Berliner Arbeitsvermittler betreut derzeit 800 bis 1000 Arbeitslose. "Da bleiben für jeden nur ein paar Minuten", sagt ein Vermittler. "Mehr ist nicht drin, wenn draußen noch knapp hundert Leute warten." Meist sprechen die Arbeitslosen ein bis zweimal im halben Jahr bei ihm vor; weitere Termine kann er nicht vergeben. Für ein ausführliches Gespräch gar, das so genannte Profiling, wie es das neue Job-Aktiv-Gesetz vorsieht, bleibt da in der Regel keine Zeit. Denn so ein Gespräch nimmt alles in allem etwa 45 bis 50 Minuten in Anspruch, inklusive der schriftlichen Nachbereitung. Schwierig wird dies vor allem, wenn man es vermehrt mit bestimmten Problemgruppen zu tun hat, beispielsweise Arbeitslosen, die über keine Qualifikationen oder nur über mangelhafte Deutschkenntnisse verfügen.

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Die Arbeitsvermittlung macht nur einen kleinen Teil des Betätigungsfeldes der Arbeitsämter aus. Die reinen Arbeitsvermittler stellen lediglich 15,8 Prozent der insgesamt 3350 Mitarbeiter in den Berliner Arbeitsämtern. Zählt man noch Sachbearbeiter und die Arbeitsberater dazu, die sich vorrangig um Fortbildungsmaßnahmen kümmern, ist es ein gutes Drittel der Arbeitsamtsbeschäftigten, die sich im weiteren Sinne darum kümmern, dass Arbeitslose wieder ins Erwerbsleben eingegliedert werden können. Vorwürfe, dass ein Großteil der Mitarbeiter sich mit der Verwaltung der Arbeitsbehörde beschäftigt, weist Landesarbeitsamtssprecher Klaus Pohl zurück. "Natürlich gibt es auch Verwaltung", sagt er. Die sei aber nicht größer als woanders auch. Aber die Arbeitsämer müssten sich um viele Bereiche kümmern. Die anderen Mitarbeiter seien unter anderem in den Bereichen Berufsausbildung, Kindergeld, Arbeitslosengeld und -hilfe, Kurzarbeitergeld und Arbeitserlaubnis tätig.

In einem bisher nicht sehr großen Umfang nehmen die Berliner Arbeitsämter auch die Leistungen freier Träger für die Arbeitsvermittlung in Anspruch, weil sie an die Grenzen ihrer Kapazitäten stoßen. Nach dem neuen Job-Aktiv-Gesetz wollen die Ämter dies künftig auch verstärkt tun. Dafür wurden vom Bundesarbeitsministerium Gelder bereit gestellt. Sollte Berlin in den nächsten Wochen immer noch nicht die Mitfinanzierung von ABM sicherstellen können, möchte der Präsident des Landesarbeitsamtes, Klaus Clausnitzer, zudem einen Teil dieser für ABM vorgesehenen Mittel ebenfalls für die Vermittlung durch freie Träger einsetzen. Die sollen sich dann auch besonders um Problemgruppen kümmern, die nur schwer auf dem Arbeitsmarkt wieder unterkommen können. "Dann werden wir weniger ABM machen", sagt Sprecher Klaus Pohl. Aber da es erst in der vergangenen Woche ein Gespräch mit Arbeitssenator Gregor Gysi gegeben habe, werde man dem Senat noch ein wenig Zeit lassen.

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