• Arbeitsgemeinschaft gegen Polizeigewalt übt Kritik - Eskalation wäre vermeidbar gewesen

Berlin : Arbeitsgemeinschaft gegen Polizeigewalt übt Kritik - Eskalation wäre vermeidbar gewesen

kek/tob

Aufgeregt sprach die Frau mit dem langen gelben Schal immer wieder in ein Diktiergerät. Ihr Augen versuchten überall gleichzeitig zu sein, um nichts zu übersehen. Mit zahlreichen Journalisten lief sie mit ihrem Kollegen an der Spitze der "Revolutionären 1.-Mai-Demonstration", zwischen behelmten Polizeibeamten und Demonstranten: "Bürger beobachten die Polizei".

Es war ihr erster 1. Mai. In dieser Funktion. Ausgerüstet mit Fotoapparat, Videokamera, Papier, Stift oder Diktiergerät, zu erkennen an einem gelben Stoffband, wollten sich 32 unabhängige Beobachter einen Überblick über den Ablauf der Demonstrationen verschaffen. Vor allem darüber, wo und wann es zu Ausschreitungen zwischen Demonstranten und Polizei kam. Organisator war die Arbeitsgemeinschaft gegen Polizeigewalt.

Um Viertel vor sechs traf sich die Rechtsanwältin Petra Schlangenhauf mit dem Rest der Beobachter am Oranienplatz. Mit von der Partie waren Professor Roland Roth, Wolf Dieter Narr, Politologe an der Freien Universität und Heinrich Fink, der für die PDS im Bundestag sitzt. Kurze Besprechung - dann ging es in Zweier-Gruppen zur Demo. Bis 20.35 Uhr sei alles ruhig gewesen. Nur um halb acht auf der Höhe Ohlauer Straße habe es eine brenzlige Situation gegeben. Dort habe ein Demonstrant irgendetwas in Richtung Polizisten geworfen. "Zwei Polizisten wollten sofort auf den Demonstranten zustürmen, wurden aber von ihren Kollegen zurückgehalten. Das hat gut funktioniert. Da war die Polizei wirklich vorbildlich", sagt Petra Schlangenhauf. Es sei während der Demo immer wieder zu einzelnen Flaschenwürfen gekommen. Dabei sei es aber geblieben. "Als der Demozug am Oranienplatz ankam, dachte ich, dass es tatsächlich zu einer Abschlusskundgebung kommt. Aber plötzlich kamen von rechts Polizisten im Laufschritt und versuchten sich an die Spitze zu setzen, um die Demo abzustoppen." Ein anderer Beobachter habe die Hundertschaften 22 und 23 an ihren Helmnummern erkannt. Vom Demowagen hätten die Demonstranten ihre Leute zur Ruhe aufgerufen und an die Polizei appelliert, sich wieder zurückzuziehen. "In diesen fünf oder zehn Minuten hätte man die Situation beruhigen können. Aber da fuhr auch schon ein Wasserwerfer auf den Oranienplatz und fuchtelte mit der Spritze herum. Danach seien Polizisten in die Demonstration vorgestoßen und die Ausschreitungen seien losgegangen. Um 20.40 Uhr habe die Polizei die Demo für beendet erklärt. "Ich kann mir nur vorstellen, dass die Polizisten mit der Dämmerung nervös wurden."

Antifa: "brutales Vorgehen"

Nach Darstellung der "Antifaschistischen Aktion Berlin" (AAB) hat die Polizei die "Krawalle regelrecht vom Zaun gebrochen". Sie habe entgegen der von ihr angekündigten Deeskalationsstrategie "alles für die Eskalation getan", hieß es. Den Veranstaltern der Demo sei angedroht worden, sie würden ihr "blaues und grünes Wunder erleben". Die AAB kritisierte das "extrem brutale" Vorgehen der Einsatzkräfte. Nach ihrer Darstellung wurde auch auf "Liegende und Fliehende eingeschlagen". 200 bis 300 Demoteilnehmer seien zum Teil schwer verletzt, über 200 festgenommen worden. 15 bis 20 der Festgenommenen waren laut AAB gestern Nachmittag noch in Polizeigewahrsam.

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