Arbeitskampf : Putzfrauen machen sich aus dem Staub

Die Gewerkschaft ruft Gebäudereiniger zum Streik auf. Für Berlin ist das keine gute Nachricht: Ab Dienstag wird die Stadt noch schmutziger.

Fatina Keilani
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ddp

Sie sind die Heinzelmännchen von Berlin. Ihre Arbeit beginnt oft in den Nachtstunden, wenn alles schläft. Sie leeren die Papierkörbe, stauben Tastaturen ab und saugen die Auslegeware, sie putzen die Küche, wischen die Eingangshalle. Die Reinigungskräfte sind längst wieder weg, wenn die Angestellten morgens in ihre Büros zurückkehren. Dass sie ihren Arbeitsplatz sauber vorfinden, halten die meisten entweder für selbstverständlich, oder es fällt ihnen gar nicht auf. Rund 57 000 Gebäudereiniger halten Berlins Büros, Amtsflure, Arztpraxen, Klassenzimmer und Operationssäle sauber – zum großen Teil zu Niedrigstlöhnen. Der aktuelle Tarifvertrag und die Mindestlöhne für die bundesweit rund 860 000 Gebäudereiniger liefen zum 1. Oktober aus. Die Gewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) hat deshalb zu einem „Aufstand der Unsichtbaren“ aufgerufen. Sie fordert 8,7 Prozent mehr Lohn und eine Angleichung der Gehälter in Ost und West. Ab Dienstag organisiert die Gewerkschaft einen bundesweiten Streik. Bei der Urabstimmung hatten sich 96,7 Prozent der gewerkschaftlich organisierten Beschäftigten für einen unbefristeten Arbeitskampf ausgesprochen. Was aber geschieht, wenn Berlins Putzkräfte Besen und Wischlappen liegen lassen? Wir haben uns umgeschaut.

Krankenhäuser: Als Brutstätte vieler Krankheitserreger müssen sie besonders gründlich geputzt werden, und auch dies wird von Gebäudereinigern erledigt. Die großen Berliner Kliniken haben vorgesorgt: Sowohl Vivantes als auch die Charité und die DRK-Kliniken haben für die Reinigung eigene Tochterunternehmen gegründet, die nicht innungsgebunden sind. Hier drohen also vorerst keine Leistungsausfälle. Es werden dort auch die bisherigen Löhne weitergezahlt.

Flughäfen: Am Montag gab es einen kleinen Warnstreik am Flughafen Tegel, und schon kam es zu Verspätungen bei den Flügen. Denn wenn der Flieger nicht prompt gesäubert wird und deshalb seinen Parkplatz nicht schnell genug freimacht, muss die nächste Maschine länger in der Luft bleiben. „Jede Minute Verspätung bei der Flugzeugreinigung kostet 1000 Euro Vertragsstrafe“, sagt Gewerkschaftssekretär Benjamin Brusniak. Ein nicht vorschriftsmäßig gereinigtes Flugzeug dürfe auch nicht wieder abheben, so dass ein Streik weitreichende Auswirkungen auf die Flugpläne haben könnte. Im Streikfalle werde man aber versuchen, den Flugverkehr nicht allzu sehr zu behindern: „Wir wollen ja nicht die Reisenden treffen, sondern die Arbeitgeber.“

Schulen, Universitäten und Rathäuser: Dass die Papierkörbe nicht geleert werden, mag ja noch für ein paar Tage angehen, aber wenn für eine Vielzahl von Menschen nur wenige Toiletten zur Verfügung stehen, wird man die Abwesenheit der Putzkräfte schnell bemerken – und Toilettenpapier wird dann auch nicht nachgelegt. Dasselbe gilt für den Großteil der Büros und Firmen, denn die wenigsten erledigen die Reinigungsarbeiten heute noch mit eigenem Personal.

Wohnanlagen: Auf Privatgelände ist die BSR nicht zuständig. „Die Hausverwaltungen vergeben dann das ganze Objekt an eine Gebäudereinigungsfirma, und die putzt das Haus, leert die Mülleimer, entfernt Graffiti, fegt draußen Laub, sammelt Hundekot ein und erledigt auch alle anderen nötigen Arbeiten rundherum“, sagt Rainer Knerler, Regionalleiter bei der IG Bau. Graffiti sind vielleicht nicht so schlimm, aber wenn Hundehaufen vom fallenden Herbstlaub bedeckt werden, kann das unangenehm werden.

Wo ab Dienstag gestreikt werden soll, wollte die Gewerkschaft nicht verraten. „Wir setzen auf den Überraschungseffekt, damit es den Arbeitgebern nicht möglich ist, auf die Schnelle Leiharbeiter als Ersatz heranzuschaffen“, sagt Rainer Knerler. „Da wir aber nur die Arbeitgeber und nicht die Öffentlichkeit treffen wollen, werden wir in sensiblen Bereichen Notdienste anbieten.“ Fatina Keilani

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