Arbeitskreis Neue Erziehung : Raufereien bei Reformpädagogen

Im Arbeitskreis Neue Erziehung gibt es Streit, der jetzt vor Gericht ausgetragen wird.

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Berliner Eltern bieten sie seit Jahren gute Hilfestellung: Die so genannten Elternbriefe kommen automatisch nach der Geburt eines Kindes ins Haus und begleiten so die Familien über Jahre. Sie sind das bekannteste Angebot des Arbeitskreises Neue Erziehung (ANE), der 1946 gegründet wurde, um nach den Erfahrungen mit der Nazi-Diktatur für ein demokratisches und partnerschaftliches Miteinander einzutreten. Doch derzeit gibt es interne Querelen in dem wegen seiner Arbeit angesehenen Verein, der für seine Projekte unter anderem Zuwendungen des Landes Berlin erhält. Mitglieder werfen dem Vorstand und der langjährigen Vorsitzenden Heidemarie Arnhold vor, gerade gegen diese Prinzipien zu verstoßen. Den Kritikern zufolge sollen so hauptberufliche Posten vergeben werden können.

Die Auseinandersetzungen ziehen sich bereits seit geraumer Zeit hin. Vor zwei Jahren wurde der damaligen Geschäftsführerin Gundel Hessemer nach 18 Jahren fristlos gekündigt. Der zivilgerichtliche Streit wurde erst im Juni dieses Jahres durch einen Vergleich beendet, sagt Hessemer. Dazu gehörte auch, dass sämtliche Vorwürfe gegen sie, auf denen die Kündigung beruhte, zurückgenommen wurden. Gegenüber dem Tagesspiegel sagte die Vereinsvorsitzende Arnhold jetzt, man habe sich damals von Hessemer getrennt, da diese sich der interkulturellen Öffnung des Vereins widersetzt habe. Dem widerspricht die ehemalige Geschäftsführerin.

Arnhold weist zudem die Vorwürfe der Kritiker zur Struktur des Vereinsvorstands zurück, in dem jetzt die Mitglieder und Vorsitzenden von Migrantenorganisationen in der Mehrheit sind. Die Mitgliederversammlung habe beschlossen, dass auch im Vorstand die Berliner Realitäten besser abgebildet sein sollten, sagt Arnhold. Dass jetzt die Vorstandsarbeit zu einer hauptamtlichen Tätigkeit werden soll, habe die Mitgliederversammlung beschlossen. Diese Entscheidung sei noch nicht umgesetzt und müsse vom Mitgliederausschuss bestätigt werden.

Insider sehen auch die Kündigung der Betriebsratsvorsitzenden, die am gestrigen Mittwoch vor dem Arbeitsgericht verhandelt wurde, im Zusammenhang der Querelen. Sie halten die angegebenen Gründe für die betriebsbedingte Beendigung für vorgeschoben. Die Vorsitzende Arnhold verweist hingegen darauf, dass ein Projekt – die Datenbank BEN, bei der Angebote für Eltern im Internet aufgeführt werden – nicht weitergeführt werde, deswegen entfielen die Tätigkeiten der Mitarbeiterin. Auch in der Verhandlung vor Gericht ging es nicht um die Verwicklungen im Verein; im Raum standen die arbeitsrechtlichen Fragen: nämlich, ob die Mitarbeiterin nicht in einer anderen Funktion weiterbeschäftigt werden müsse und ob die Kündigung rechtens sei. Ein Urteil gab es nicht; der Verein und die Betriebsrätin einigten sich auf einen Vergleich. Vereinsmitglieder befürchten, dass es nicht die letzte Kündigung gewesen ist.

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