Berlin : Arbeitslose dringend gesucht

Die Luftfahrt boomt, es gibt wieder Stellen. Aber für die nötige Qualifizierung fehlen Bewerber

Rainer W. During

Rainer Schillo sucht Hände ringend rund 100 Arbeitslose, die sich in Luftfahrtberufe umschulen lassen. Der anschließende Job ist erfolgreichen Bewerbern fast sicher, denn die Branche boomt. Doch es gibt kaum noch Interessenten. Doch wenn die Plätze nicht bis zum Monatsende belegt sind, muss ein Teil der sechs neu eingerichteten Klassen, in denen sich bisher nur wenige Lernwillige verlieren, wieder geschlossen werden.

Schillo ist Geschäftsführer der in Schönefeld ansässigen Trainico Training und Ausbildung Cooperation GmbH. Seit 1993 hat die gemeinsame Tochter der Deutschen Lufthansa und der Berliner Flughäfen rund 15 000 kaufmännische und technische Mitarbeiter ausgebildet oder umgeschult und an Luftfahrtunternehmen in ganz Deutschland und dem Ausland vermittelt. Trainico bildet Fluggeräte- und Triebwerksmechaniker, Fluggerätebauer und Elektroniker für luftfahrttechnische Systeme sowie Luftverkehrskaufleute und Servicekräfte etwa für die Passagierabfertigung aus. Kürzlich wurden 60 Arbeitslose zu Triebwerksmechanikern für Rolls-Royce in Dahlewitz umgeschult. Gerade haben 122 Kursteilnehmer ihre Prüfungen vor der Industrie- und Handelskammer abgelegt, nur einer fiel durch. Die Vermittlungsquote lag 2005 bei 91,5 Prozent.

Gegenwärtig kommen auf jeden Absolventen 2,35 Arbeitsplätze. Der Bedarf bei Flugzeugherstellern, Flughäfen und Luftverkehrsgesellschaften ist groß. So spricht man bei der Lufthansa Technik AG von einem „akuten Mangel an gut ausgebildeten und qualifizierten Fluggerätemechanikern und Elektronikern“. Die Fluggesellschaft des Kurierdienstes DHL sucht für den Standort Leipzig 80 Mechaniker, berichtet Schillo. Für den Bau des Airbus A380 und des Militärtransporters A400M werden noch knapp 600 Fachleute benötigt.

Interessenten sollten allerdings nicht ortsgebunden sein, denn nur jeder fünfte Job liegt in der Hauptstadtregion. Den Mangel an Bewerbern führt Schillo auf den Frust von vielen Langzeitarbeitslosen zurück. Wer auf 150 Bewerbungen nur Ablehnungen erhalten habe, sei schwer zu motivieren. Doch auch die Jobcenter tun sich mit der Vergabe der notwendigen Bildungsgutscheine schwer: Dort habe man die Luftfahrt häufig noch nicht als Zukunftsbranche erkannt, klagt der Geschäftsführer.

„Jeder Arbeitslose hat Anspruch auf einen Bildungsgutschein, wenn ihm dieser die Chancen für einen Job auf dem ersten Arbeitsmarkt ermöglicht“, sagt der Sprecher der Arbeitsagentur Berlin-Brandenburg, Olaf Möller. Die Jobcenter müssten jedoch im Einzelfall entscheiden, ob der Einsatz des Gutscheins sinnvoll sei oder ob sich die Zeit der Arbeitslosigkeit auf andere Weise schneller und preiswerter verkürzen lasse.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund kritisiert die zögerliche Vergabe der Gutscheine: Während 2002 noch 45 000 Menschen in Berlin und Brandenburg von Weiterbildung profitiert hätten, können 2006 nur 13 300 Arbeitslose solche Maßnahmen nutzen, heißt es beim DGB. Die Arbeitsagenturen würden die Fort- und Weiterbildung von Arbeitslosen „systematisch austrocknen“, klagt der Berliner DGB-Chef Dieter Scholz.

Um die Vermittlung von Interessenten zu fördern beschäftigt man bei Trainico inzwischen Hartz-IV-Experten, die Bewerber zu ihren individuellen Erfolgsaussichten beim Jobcenter beraten. Trainico hat zudem eine Aktion mit einem Radiosender gestartet, um Bewerber zu finden. Diese sollten zumindest technisches Verständnis haben oder serviceorientiert sein und über Englisch-Grundkenntnisse verfügen. Besser sind Vorkenntnisse in einem Metall-, Elektro- oder Serviceberuf. Eine Altersbegrenzung gibt es nicht. Im kaufmännischen Bereich gibt es auch immer wieder mal Umschüler, die die 50 überschritten haben.

Die nächsten Info-Veranstaltungen finden am 19. und 26. Juli jeweils um 16 Uhr im Lufthansa-Trainingszentrum in der Schützenstraße 10 in Berlin-Schönefeld (S-Bahnhof Grünbergallee) statt. Telefonische Anmeldung unter: 88 75 50 50.

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